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Louis Cane

Louis Cane wurde am 13. Dezember 1943 in Beaulieu-sur-Mer (Frankreich) geboren. Nach seinem Studium an der École Nationale des Arts Décoratifs in Nizza und an der École Nationale supérieure des Arts Décoratifs in Paris sorgt der Künstler aufgrund seiner Stempelarbeiten (Tampons) für Aufsehen. Im Anschluss an die Serie der bemalten Papiere (Papiers peints) entstehen die großformatigen Leinwände, die systematisch all over mit einem Stempel versehen sind. Louis Cane setzte sich insbesondere mit der avantgardistischen Kunstideologie auseinander und beschäftigte sich seit Ende der 1960er Jahre in seiner abstrakten Malerei mit den materiellen Eigenschaften und formalen Komponenten des Bildes. Er gehörte zu Beginn der 1970er Jahre, neben elf weiteren französischen Künstlern, der Gruppe Supports/ Surfaces an.

 


 

Let our eyes see you, 1979
Öl auf Leinwand
230  190 cm
 

Ein Jahr nach Gabriel pris dans le manteau de la vierge malt Louis Cane ein weiteres Hochformat, das nun- wiederum in mehreren Farbschichten ausgeführt- auf eine Palette von Blautönen beschränkt bleibt. In die Komposition von dunkelblauen Farbfeldern sind vom äußeren Bildrand her jeweils in hellerem Blau an den beiden Außenseiten drei Vertikalen eingeschrieben. Am oberen und unteren Bildrand verlaufen zwei schmale Horizontalen. Derart eingefasst, wird die Komposition in der Bildmitte vertikal in drei Bildfelder, horizontal in zwei Bildfelder geteilt. In der unteren Bildhälfte sind in voller Höhe zwei Kreise eingestellt, deren äußerer Rand links beziehungsweise rechts an die innere Vertikale des eingeschriebenen großen Rechtecks grenzt. Auf diese Weise überlappen sich die Kreise jeweils in ihrer vertikalen Achse. Durch den „wolkigen“ Farbauftrag entsteht mit Hilfe der hintereinander und übereinander angelegten Vertikalen und Horizontalen eine Tiefenräumlichkeit, in die auch die beiden Kreise wie „Augen“ eingebunden sind und den Betrachter mit dem appellativen Bildtitel geradezu auf die Spur einer Befragung seines Selbst und seines Gegenübers zu setzen scheint.

 


 

Peinture 72-A-28, 1972
Öl auf Leinwand
260  × 244 cm / 268 ×  190 cm
 

Seine hochrechteckigen, großformatigen Arbeiten der 1972 bis 1975 entstehenden Serie Sol/Mur, zu der auch Peinture 72-A-28 gehört, lösen sich aus dem Keilrahmen: Die mit einem  Zerstäuber „bemalte“ Leinwand wird mit Nägeln unmittelbar an der Wand befestigt. Dabei ist der Bildteil, der innerhalb der stets in dunklerem Farbton gehaltenen klaren Umrandung liegt, doppellagig. Die äußere Lage lässt sich wie eine „Zunge“ an drei Seiten herauslösen und wird auf dem Boden ausgebreitet. Auf diese Weise wird nicht nur die Wand- durch den Wegfall einer materiellen Rahmung des Bildes, an dessen Stelle die gemalte Rahmung tritt- in die Arbeit mit einbezogen, sondern auch der Boden. Die Malerei tritt zugunsten einer Betonung des Bildträgers zurück und das Werk erhält einen objekthaften, installativen Charakter. Es tritt über den Bildrahmen hinaus und transportiert die Farbe in einem Raum der Unendlichkeit. Der Betrachter wird durch die Räumlichkeit vortäuschende Umrandung in das „Bild“ geradezu „hineingezogen“ und mit dem am Boden liegenden Bildteil offenbar „eingeladen“, physisch in es „einzutreten“.

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