Ausstellungen

Aequilibrium vivat

20.01.2019 bis 24.02.2019

Anett Frontzek, Jonas Hohnke, Petra Maitz, Florian Wenzel

Im Künstlerhaus Edenkoben, das sich in erster Linie als ein Ort für Dichter, Poeten und Schriftsteller begreift, residieren pro Jahr zwei Künstler oder Künstlerinnen, die dort zeichnend, malend, fotografierend und experimentierend eine andere Ebene des künstlerischen Ausdrucks entfalten. Die Ausstellung „Aequilibrium vivat“ („Es lebe das Gleichgewicht“) zeigt die vier Künstlerinnen bzw. Künstler der Jahre 2016 bis 2018 – Anett Frontzek, Jonas Hohnke, Petra Maitz und Florian Wenzel – die, in dem, was sie an künstlerischer Ausbildung und geschaffenem Oeuvre bereits aufweisen, kaum unterschiedlicher hätten sein können.

 

Nach einem Studium an der Kunstakademie Münster befasst sich Jonas Hohnke in seinen Installationen mit Fragen des Gleichgewichts. Er setzt sich mit den Gegebenheiten verschiedener Orte auseinander, um unterschiedliche Momente des Alltags sowie das vermeintlich Unscheinbare mit einem Augenzwinkern in den Betrachtungshorizont einer – meist eher verwöhnten – Kunstgemeinschaft zu rücken. Dazu gehören mehrere Werke, in denen er Werk und Umgebung miteinander verschmilzt, so dass Unkenntlichkeit und Sichtbarkeit sich erst allmählich im Zuge der Betrachtung herausschälen.

Anett Frontzek ist eine vielfältig interessierte Künstlerin, die vorzugsweise mit Papier arbeitet. Sie thematisiert die mathematische Erfassbarkeit der Natur mithilfe vermeintlicher exakter Formel. Ihre Installationen aus Landkarten, Navigationskarten, biologischen und geologischen Atlanten wirken kühl und sachlich korrekt, bergen jedoch in sich die Faszination des sichtbar gewordenen Unsichtbaren. Gebirge, Flussverläufe oder auch Skirouten werden zerschnitten und vollkommen anders zusammengesetzt. Damit entwickelt sie etwas, was einer Dekonstruktion und zugleich einer neuerlichen Konstruktion gleichkommt, eine Konstruktion, die es der Künstlerin ermöglicht, eine vollkommen andere Sicht auf die Welt zu präsentieren. Interessanterweise wirken die neuen Arbeiten dann ebenso glaubhaft, auf eine andere Weise nicht minder wissenschaftlich verbürgt.

Die studierte Medizinerin und promovierte Transferwissenschaftlerin Petra Maitz liefert in ihrem Oeuvre eine intensive Verzahnung von Naturwissenschaft und Kunst. Anhand der Mikrobiologie sucht sie einen Deutungsversuch für die Komplexität des soziologischen Raums, den sie mit neuen Kombinationsmöglichkeiten von Textilien ironisch-spitzfindig wiedergibt. Häkeln und Stricken – beides künstlerische Methoden, die immer wieder in der Gegenwartskunst als Techniken genutzt werden, stellen für Petra Maitz auch einen meditativen Akt dar. Dabei sieht sie die Künstlerin als ureigenste weibliche Schöpfungen an.

Florian Wenzel kreiert eigene fotografische Settings, in denen er sich selbst zum Akteur macht und zugleich die gesamte Situation komponiert, simuliert und nicht zuletzt auch persifliert. Im Grunde geht es ihm bei dieser Vorgehensweise nicht vordergründig um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Vorlage, sondern um Kopien und Wiedergaben von Vorstellungen, die dem kollektiven Bildgedächtnis entstammen. Im übertragenen Sinn verweisen seine Fotografien und Objektinstallationen, die wie zufällig  vorgefunden wirken, auf das Leben (oder dessen Anschein) aus der Retorte. Im Spagat zwischen traditionellem und zeitgenössischem Bilderkanon erscheint deshalb Florian Wenzels künstlerische Befragung von Bildwissen und Bildnutzung (insbesondere als Instrument einer werblichen Perspektive) im Horizont perfektionierter Bildwelten im WorldWideWeb bemerkenswert. In seinen anarchisch aufgebrochenen Bildmustern und ironischen Hinterfragungen bringt er diese gänzlich ins Wanken.

Bislang wurde die Präsentation der Stipendiaten in der Villa Streccius in Landau gezeigt; erstmals wird sie nun nach Koblenz geholt und damit im losen Kontext der Stipendiaten-Ausstellung, die Schloss Balmoral im Museum Rolandseck zeigt, gestellt. Die Ausstellung verdankt sich der Kooperation mit dem Künstlerhaus Edenkoben sowie der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur sowie der Dr. C.+M. Hochdörffer Stiftung Dresden.

 


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