Ausstellungen

Zhang Fangbai

Zhang Fangbai. Ninggu

29.07.2018 bis 12.08.2018

Der tief in der traditionellen chinesischen Malerei verwurzelte Zhang Fangbai (geb. 1965 in Hengyang in der Provinz Hunan ) schuf in den letzten Jahrzehnten eine eigene Bildsprache, die mit wenigen emblematischen Formen auskommt.

Ausgebildet an der Central Academy of Fine Arts, Beijing, zählt er zu der ersten Generation von Künstlern, die nach der Kulturrevolution neue Wege der Kunst formuliert hat. Zhang Fangbais Ölgemälde spiegeln die spirituelle Suche eines gleichermaßen in der westlichen als auch in der östlichen Welt verankerten Künstlers wider.  Nachhaltig deutlich wird dies an seiner Adler-Serie, sowie seinen meist großformatigen Landschaften, beide ausschließlich in schwarz-grauen Farbmodulationen geschaffen.
Die inneren Gefühlsregungen erweisen sich hier als gebändigter Ausdruck tief empfundener Reflexionen über die traditionelle Tuschmalerei. Diese wird gleichsam gedanklich als Resonanzboden genutzt, ohne hier zu verharren. Zhang Fangbai entfaltet wuchtige Bildräume, in denen Emotionen und Stimmungen wie losgekoppelt von Zeit und Raum erscheinen. Mit ihrer großen abstrakten Formulierung deuten sie nur an; sie werden nie konkret und drohen damit nie eindimensional zu werden. Zhang Fangbais Bildschöpfungen gründen in dem Wissen um die klassische chinesische Malerei, die bereits vor Jahrhunderten einen ganz eigenen Kanon entwickelt hat.

In der chinesischen Bildtradition sind Berge in allen Epochen etwas Unfassbares, da sie gern ganz fern entrückt oder in ihrer Massivität vollkommen unübersichtlich bleiben. Das menschliche Auge kann ihre Dimensionen in den Kaskaden von Felsvorsprüngen und Wasserläufen nicht ergründen. Zhang Fangbai nutzt diese Philosophie als imaginäre Folie seiner Sujets. Er malt Felsen von steinerner Macht und erschafft Adler, die in ihrer Monumentalität gleichsam wie Berge anmuten. Er formuliert Wolken, die steinern im Nirwana des Himmels schweben, und vereinzelt umreißt er skizzenhaft Pagoden, die als Reminiszenz an das alte China erinnern. Dabei entwickelt er einen malerischen Gestus, der viele Elemente gleichzeitig in sich versammelt: Die Materialität der Farbe, die sich wie eine hermetische Wand vor den Augen des Betrachters aufbaut und unüberwindbar wirkt. Er lässt aber auch Kontraste zu, nämlich die durchscheinende Liquidität der Farben, die in raschen Schlieren über die Leinwand rinnen und Spuren des Flüchtigen ziehen.

Das Besondere daran ist aber nicht so sehr die spürbare, fassliche Materialität der Farbe, sondern das Wechselspiel zwischen den konkreten und unkonkreten Formen. Hier entwickelt sich gleichsam ein Changieren zwischen einer plastisch anmutenden Form und deren gleichzeitiger Aushöhlung – positiv und negativ.

Zhang Fangbais aktuelle Malerei scheint der alten Kunstauffassung Chinas im inneren Sein näher zu sein, als im formalen, durchaus freien Gestus westlicher Prägung. Eine politische oder historische Aufladung seiner Sujets, selbst beim Motiv des Adlers, ist nicht intendiert. Vielmehr formuliert er in seinen scheinbar offenen Formen nichts weniger als deren Verschmelzung mit Zeit und Raum. Der Umriss wird nie als starres Konstrukt gegeben, sondern bleibt bewegt, dynamisch, solide und zugleich fließend. Die Bindung des scheinbar figurativen Motivs versammelt auf erstaunliche Weise somit Flüchtigkeit und Beständigkeit als glaubhafte Widersprüche in sich. Dadurch werden Zhang Fangbais Bilder zu Schöpfungen des Lebens, das im scheinbar Ewigen immer auch die Realität des Flüchtigen bereithält.


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