home   Ausstellungen
  home   Rückschau  
 
Museum
Sammlung
Ausstellung
Ausstellung aktuell
Ausstellungen - Vorschau
Rückschau
Programm
Pädagogik
Shop
Kontakt
sitemap
 
 

Marie Raymond + Yves Klein
25.6. - 17.9.2006

 
   
Yves Klein, „Anthropométrie sans titre - ANT 148“, 1960, 104 x 68 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
 
   

Die Gegenüberstellung und Parallelisierung der Werke von Yves Klein (1928-1962) und Marie Raymond könnte kaum pointierter sein: Der junge Yves Klein, der innerhalb von nur sieben Jahren eine Weltkarriere schafft und durch den frühen Tod 1962 im Alter von nur 34 Jahren aus seinem kometenhaften Schaffensdrang herausgerissen wurde, wird hier mit dem künstlerischen Werk seiner Mutter in Beziehung gebracht, deren Wirken in Frankreich eine große Würdigung erfahren hat.

Yves Klein gilt bis heute als eine der interessantesten und radikalsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahr-hunderts, der mit seinen künstlerischen Statements alle entscheidenden Bewegungen der Moderne vorwegzunehmen und bereits zu einem Zeitpunkt zu realisieren vermochte, als über „happenings“, „performances“, „land art“ oder „body art“ bei vielen nicht einmal nach-gedacht wurde. Die Impulse, die von seinen zahlreichen Aktionen ausgingen, sind bis heute in den Werken vieler berühmter Künstler nachzuspüren. Seine vielschichtige Persönlichkeit, die zwischen extremer Konzentration und völliger Grenzenlosigkeit changierte, spiegelt sich auch in seinem Werk, für das Monochromie und Figuration oder Spiritualität und Theatralik keine Gegensätze bilden.

   
  Yves Klein “Peinture de feu sans titre-F6“, 131,5 x 90,5 cm,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
   

In Deutschland konnte Yves Klein zu seinen Lebzeiten die nachdrücklichste Rezeption erleben, insbesondere durch seine Kontakte zur Gruppe ZERO in Düsseldorf, seinen Galeristen Alfred Schmela, der ihm den Großauftrag für das Foyer im Gelsenkirchener Theater (großes Schwamm-relief) vermittelte, sowie zu Sammlern und Museumskuratoren, über die weitere internationale Kontakte folgten. Diese bedeutsame Wahrnehmung für die Radikalität seines Werkes und die umfassende Trag-weite seines gesamten künstlerischen Konzeptes gelang ihm hauptsächlich in Deutschland, sie ist ihm in Frankreich, seiner Heimat, jedoch nie zu Lebzeiten vergönnt worden.

   
Marie Raymond, „Essor“, 1961, 162 x 97 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
 
   

Hingegen war Marie Raymond (1908 – 1989) schon in den 40er und 50er Jahren in Frankreich eine künstlerische Größe. Bereits 1949 wird sie mit dem damals wichtigsten Kunstpreis, dem „Prix Kandinsky“, den Wassily Kandinskys Witwe Nina ins Leben gerufen hatte, ausgezeichnet, und auch 1960 noch erhält sie als wichtigste Ehrung den italienischen „Marzotta Preis“, der ihr erneut internationale Beachtung einbringt. Ihr künstlerisches Werk, das ganz auf die freie Abstraktion nach 1945 setzt, ohne
im Geiste des Informel oder „Tachisme“ gänzlich auf spontane Gestik zu setzen, ist durchdrungen von einem sensiblen Gefühl für Ausgewogenheit, Harmonie und Farbvaleurs. Es entseht eine Mischung aus strenger Komposition und dynamischem Einsatz von Farben, die sich in ihren Stimmungen und emotionalen Regungen einander steigern und zu Bildfindungen führen, die den spirituellen und philosophischen Reflexionen der damaligen Zeit nahe kommen. Das Lebenswerk von Marie Raymond ist geprägt von ihrer nachhaltigen Auseinandersetzung mit den Gemälden von Piet Mondrian, der zeitweilig ihr Ateliernachbar am Montmartre war, sowie u.a. auch mit den Werken des Exilrussen Nicolas de Staël, mit dem sie eng befreundet war. Im Gegensatz jedoch zu ihrem Sohn Yves Klein vertrat sie eine letztlich sehr traditionelle Kompositionsauffassung, wenngleich ihre Bilder eher eine gestische Freiheit vermuten lassen, wohingegen der Sohn, in seiner Radikalität und Konsequenz letztlich formal strenger, aber in seinem geistigen Credo weit über alle Grenzen hinausdachte.

   
  Marie Raymond, "Les Gestes du jardin", 1972, 130 x 97 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006
   

Die Ausstellung unternimmt erstmals den Versuch, das Werk von Mutter und Sohn in einem Kontext zu thematisieren und dabei die strukturellen Unterschiede wie auch die geistigen Annäherungen und Gemeinsamkeiten aufzudecken. Sie entwickelt eine Atmosphäre der künstlerischen Zeiten, beginnend mit den 30er Jahren bis zu den 50er und 60er Jahren, die für beide Künstler den Höhepunkt ihrer Laufbahn bedeuten, bis hin zum Nachruhm des Werkes von Yves Klein und dem Schaffen von Marie Raymond bis in die 80er Jahre hinein. Gemeinsam mit dem Katalog werden annähernd 50 entscheidende Jahre für die Entwicklung der Kunst innerhalb der Familie Klein-Raymond nachgezeichnet, wie auch eine skizzenhafte Erfassung vom künstlerischen Wirken in den Avantgardezirkeln am Montmartre und den Verflechtungen und Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland.

   
Yves Klein
 
   

Die Ausstellung wurde vom Archiv Yves Klein in Paris zusammengestellt und im vergangenen Jahr in drei Museen in Frankreich gezeigt. Das Ludwig Museum in Koblenz ist einziger deutscher Ausstellungsort. Sie umfasst wichtige Haupt-werke von Yves Klein sowie einen repräsentativen Überblick über das Werk von Marie Raymond, die in Deutschland nahezu unbekannt ist.

Der Katalog, erschienen bei Expressions Contemporaines (franz./engl.), wird im Kerber Verlag, Bielefeld, in deutsch-englischer Version publiziert. Den umfassenden und sehr informativen Text schrieb Robert Fleck, Direktor der Deichtorhallen Hamburg.
Herausgegeben von Beate Reifenscheid, ca. 240 Seiten, davon 168 mit farbige Abbildungen. Preis an der Museumskasse ca. 35 €, Buchhandel 40 €.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, und des Botschafters der Republik Frankreich, S.E. Claude Martin.

 
 

zurück

 

 

 
Marie Raymond