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Immendorff - Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen
24.9. - 22.10.2006
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Qi Yang - Beyond the heaven
24.9. - 26.11.2006

 

Mit zwei Sonderausstellungen hat das Ludwig Museum in Koblenz am 24. September 2006 wichtige Positionen der Aktuellen Kunst. Es gibt keine direkte inhaltliche Verbindung zwischen den zwei künstlerischen Ansätzen, gleichwohl zieht sich durch die beiden Ausstellungen wie ein roter Faden die Verbundenheit mit China und die bei beiden Künstlern auszumachende Auseinandersetzung mit der chinesischen Kultur. Nicht zuletzt war Prof. Immendorff mehrfach in China und Qi Yang sein Reisebegleiter, Mentor, Vermittler und „Verbindungsmann“.  

     
 
     

Prof. Jörg Immendorff wird hier mit einem Querschnitt seiner Werke aus allen Schaffensperioden gezeigt, mit deutlichem Schwerpunkt seines Wirkens in den letzten zehn Jahren. So finden sich zum Beispiel ein frühes „Lidl-Baby mit Blumen“ (1965) sowie zentrale Werke aus den 1980 er Jahren (z.B. „Reichssache, 1983 und „Köln in Flammen, 1984), in denen er die Spannung seiner politischen Auseinandersetzung mit der politischen Situation in Deutschland sucht. Das Thema der deutsch-deutschen Teilung wird in dieser Sammlung nicht akzentuiert (wenn man an „Cafe´ Deutschland“ denkt), wohl aber die Weiterführung bei Immendorff in dem Bild unter dem Titel „Café de Flore“ (1991/92), welches das Sujet des Kaffeehauses zwar formal aufgreift, es dann aber mehr in Richtung kultureller Freundschaft zwischen Deutschland-Frankreich lenkt, und damit auch die künstlerischen Verbindungen zwischen Immendorff, Beuys, Rimbaud, Duchamps u.a. aufzeigt. Aber auch das wiederkehrende Motiv des „Maleraffen“, des Künstlers, der sich als Affe sieht und deutet, taucht vielfältig auf und ist bis heute eines der durchgängigen Themen von Immendorff geblieben ist (z.B. Maleraffe, 1990; Akademikeraffe, 2003). Nicht zuletzt finden sich sowohl Affe als auch Pferd (z.B. Surrealistisches Pferdepaar, 2003) in der chinesischen Mythologie wieder und wurde von Immendorff bewusst während seiner Chinaaufenthalte (ab 1997) signethaft eingesetzt. Durch seine intensive Auseinandersetzung mit historischen Künstlergrößen wie auch einzelnen Motiven aus der Kunstgeschichte findet Immendorff gegen Ende der 1990er Jahre zu einem völlig neuen Stil, der durch seine mythische und rezeptionsreiche Symbolik eine intensive suggestive Emblematik entwickelt. Das findet sich in den Arbeiten mit der sog. „Hui Gui Formel“ oder auch der Gestalt der „Fortuna“ (hier eine Version von 2004), die auf zwei Kugeln an den Füßen staksig zu laufen versucht. Die Bilder haben die Überfülle der früheren Arbeiten längst abgelegt, sie sind ruhiger, kontemplativer und zugleich surrealer geworden. Sie beschränken sich zu weiten Teilen auf wenige farbige Akzente (Schwarz – Rot), mit jeweils nur einem Farbton im Fond des Bildes oder verzichten fast gänzlich auf Farbe und neigen zu einem eigentümlichen Grisailleton. - Die Ausstellung wird durch zahlreiche Skulpturen, z.T. Unikate, sowie um ein paar Papierarbeiten bereichert.

In ihrer Gesamtheit versammelt sie einen Überblick über eine bedeutende Privatsammlung in Deutschland. Die Leihgaben stammen aus dem Neuen Museum Weserburg, Bremen, sowie aus der Kunstsammlung Chemnitz.

Im Anschluss wird die Ausstellung im Neuen Museum Weserburg ab November 2006 zu sehen sein. Erst dann wird es einen neuen Katalog zur Sammlung geben.

     
 
     

Qi Yang (Jg. 1952) , aufgewachsen und studiert in China bis 1987, lebt seit 1987 als freischaffender Künstler in Deutschland, Promotion 1996 in Heidelberg. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, 1999 Ernennung zum Professor an der Akademie der Künste, Universität Anhui, China; seit 2003 Gastprofessor an der Staatlichen Kunstakademie in Xi´an und Lehrbeauftragter Professor an der Bergischen Universität Wuppertal.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem National Museum in Beijing (2005), dem von der Heydt-Museum in Wuppertal (2005) und findet nun mit neuen Installationen ihren Abschluss der Ausstellungstournee im Ludwig Museum in Koblenz. Es entstand ein gemeinsamer Katalog (162 Seiten, dt./engl./chin.) mit Beiträgen von Qi Yang, Sabine Fehlemann und Beate Reifenscheid, Kerber Verlag Bielefeld 2005, Preis an der Museumskasse 25,- EUR.

Qi Yang´s Malerei hat sich in den letzten Jahren noch einmal radikal gewandelt. Von dem ehedem expressiven Gestus ist kaum etwas geblieben. Die Farben Schwarz und Beige sind einer neuen Leichtigkeit gewichen, sie betonen nun mehr die Farbe selbst und den zeichnerischen Strich, die Linie, die den Bildraum erkundet und seismographisch aufdeckt. Yang bezieht sich dabei bewusst auch auf den philosophischen Kontext aus dem Daoismus, in dem „die großen Erscheinungen ohne Form“ sind und liefert damit keine vor-gedachten oder vorgefertigten Strukturen.

Die Malerei ist Raum erkundend geworden, das heißt, häufig platziert Qi Yang seine Arbeiten in Einzelsequenzen auf dem Boden, lässt den Zuschauer eine andere, gewandelte Perspektive einnehmen. Damit bekommt selbst die Malerei bereits etwas Installatives bei ihm. Einen weiten Raum nehmen dann in der Tat seine Installationen ein, die nicht nur seine eigenen Motive immer wieder umkreisen, sondern auch bewusst den Bezug zwischen der westlich geprägten Kultur und der chinesischen Tradition suchen. Qi Yangs Installationen sind wie Lyrik, die in der philosophischen Vernunft verborgen ist. Ein Ausdruck sowohl tiefer Gefühle als auch reich an tiefer Bedeutung. Er versteht sich auf die Anwendung des philosophischen Wortschatzes, auf die Verbindung der Metapher mit der visuellen Wirkungen der Leere mit der Substanz. Er geht dabei bedacht, aber dennoch sehr spielerisch und unpathetisch mit den unterschiedlichsten Materialien um: Sei es sein „House of NeoBioLotus“, 2004, mit der Repetition von fotografierten Lotusblüten, die er wie Zinnsoldaten aufmaschieren lässt oder auch seine Installation „Beharrlichkeit“, 2005, die mit dem für China ganz essentiellen Motiv des Kokons der Seidenraupen spielt. Malerei und plastische Form fügen sich zu einer opulenten Gesamtheit.

Qi Yang bedient souverän alle Medien: Fotografie, Film, Poesie, Malerei, Installation etc. und verdeutlicht dabei, das der künstlerische Ausdruck es vermag eine Synthese herzustellen zwischen dem westlichen und dem östlichen Gedanken-und Formgefüge, so dass bei aller Grenzwanderung dennoch die Identität und Authentizität erhalten und für den künstlerischen Dialog genutzt wird.

 
   

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