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3. März bis 24. April 2005
PERSONAL STRUCTURES
16 Künstler aus 11 Ländern

 

Dauerleihgabe Takashi Naraha

 
 
Nelleke Beltjens
   

Nelleke Beltjens
“Tacitly present – divine division“, 2003,
Gips, Holz, Harz, Pigmente, 14 x 18 x 11, 14 x 17 x 12 und 21 x 16 x 12 cm

 

   

PERSONAL STRUCTURES ist ein internationales Kunstprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, in Ausstellungen und Publikationen Künstler zu präsentieren, die sich mit der persönlichen oder subjektiven Ausdeutung von einfachen oder vermeintlich einfachen abstrakten Formkonzepten (Strukturen im weitesten Sinne des Wortes) beschäftigen. Eine reduzierte Formensprache, die Tendenz zur Serialität sowie die individuelle, eigenwertige Behandlung von Form, Farbe, Material und Gestaltungsprozessen sind Merkmale, die ihren Werken gemeinsam sind. Auch das Arbeiten im Grenzbereich zwischen den Gattungen Malerei, Plastik und Rauminstallation ist für einen Großteil der ausstellenden Künstler ein zentrales Anliegen. Die in „Personal Structures“ vertretene Kunst zeigt sich bei aller Vielfalt und Innovationskraft der einzelnen Beiträge dem Basisvokabular der abstrakten Moderne und der (post-)minimalistischen Bewegungen verbunden.

Paul Raguénès
   

 

Paul Raguénès: „(...) RC“, 2003, Holz, Bitumen, Öl, Pigmente, 168 x 153 x 15 cm  

   

Auch wenn die Begriffe Abstraktion und Figuration im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend an Trennschärfe eingebüßt haben, weil nicht-gegenständliche Ge­staltungsweisen so wenig mit dem „Abziehen“ und Vereinfachen von Gesehenem zu tun haben wie Figuration auf simple Naturwiedergabe reduziert werden kann, so war es für „Personal Structures“ doch eine Basisentscheidung, die Auswahl der Kunstwerke auf eindeutig nicht-gegenständliche Arbeiten zu beschränken. Figuration, Gegenständlichkeit, Abbildlichkeit, mimetische Verfahren, in welcher Form auch immer, suggerieren stets einen gewissen Bezug auf eine kunstexterne Wirklichkeit. „Personal Structures“ fragt hingegen, ob und wie auch mit rein „abstrakten“ formalen Mitteln, ohne den Rückgriff auf eine inhaltliche Aufladung nicht-gegenständlicher Formen und unter Verzicht auf Symbole, allegorische Zeichen und konventionelle Zeichensysteme so etwas wie Welthaltigkeit und ein Bezug zur Künstlerpersönlichkeit selbst artikuliert werden können.

René Rietmeyer
   

René Rietmeyer: 3 Boxes aus der Serie “Mittelrhein”, 2004, Öl auf Holz, je 25 x 16 x 11 cm

 

   

Besondere Aufmerksamkeit widmet „Personal Structures“ künstlerischen Arbeiten im Grenzbereich zwischen Malerei und Objektgestaltung. Es handelt sich hierbei um Werke, welche die Malerei in die Dreidimensionalität des Bild-Objekts und in den realen Raum hinein weiterentwickeln. Doch auch Kunstwerke, die sich eindeutiger den Gattungen Malerei oder Skulptur zuordnen lassen, finden im Konzept des Projekts ihren Platz. Entscheidend ist, dass sie die Intention subjektiver Aneignung minimaler Formensprachen sowie die Tendenz zur Emotionalisierung des Werkes und zur raumgestaltenden Installation erkennen lassen. Das gilt insbesondere dort, wo malerische bzw. bildhauerische Positionen material- und/oder prozessorientiert definiert und die Gattungsgrenzen kritisch und ex­perimentell erweitert werden. Hier zeigt sich deutlich, dass Subjektivität und Persönlichkeit sich keineswegs in expressiver Formen­sprache und in einer Rhetorik des Gestischen äußern müssen, sondern sich sehr subtil im Wechselspiel von subjektiven Entscheidungen, Konzeptualisierungen und der Eigendynamik von Materialien und Arbeitsprozessen entfalten und gegebenenfalls selbst hinterfragen können.

Johannes Girardoni
   

 

Johannes Girardoni, „Trough. Cadmium Yellow Deep”, 2003, Bienenwachs, Pigment, Holz, 254

   

Personal Structures ist keine Künstlergruppe, zumindest nicht im Sinne der Künstlergruppen der klassischen Moderne. Diese waren in aller Regel durch eine verbindliche Programmatik gekennzeichnet und nicht selten auch durch bestimmte Zugehörigkeits- bzw. Mit­glied­schafts­regeln organisiert. Die ideologische Festlegung von Kunst, die Bekenntnisse, Manifeste und Kampfschriften waren Ausdruck eines Avant­gardebewusstseins, das unmittelbar an die Vorstellung einer linearen Fortschrittsgeschichte der Kunst gekoppelt war. Diese teleo­logische Geschichtsauffassung hat sich längst als fragwürdig und unfähig erwiesen, einer immer komplexer werdenden pluralistischen Welt und ihren vielfältigen künstlerischen Haltungen gerecht zu werden. Personal Structures ist also keine Gruppe im klassischen Sinn, sondern gleicht eher einem offenen Forum, auf dem sich unterschiedliche Individuen treffen und kommunizieren.

Yuko Sakurai
   

Yuko Sakurai: Nihonkai #8, 2003, Öl auf Leinwand auf Holz, 175 x 129,5 x 6 cm

 

   

In dieser Ausstellung sind 16 Künstler aus 11 Ländern auf drei Kontinenten vertreten, Männer und Frauen im Alter zwischen Anfang dreißig und Anfang fünfzig. Schon allein diese Tatsachen machen deutlich, dass es in diesem Projekt nicht um starre Festlegungen geht, sondern um Offenheit und Austausch. Es gehört zu den Basisgedanken von „Personal Structures“, dass die Kunstwerke über die Grenzen von Nationalität, Kultur- und Generationszugehörigkeit hinweg gemeinsame Basisgedanken formulieren und dennoch die lebendige Vielfalt individueller Ansätze dokumentieren. Besonders reizvoll präsentiert sich dieses Zusammenspiel von Gemeinsamkeit und Differenz im Nebeneinander westlicher „minimalistischer“ Formensprachen und ostasiatischer Formreduktion.

Frank Piasta
   

 

Frank Piasta: „Ohne Titel“, 2002 Pigment und Silikon auf Aluminium, 150 x 140 x 5 cm

   

Werke folgender Künstler werden in Koblenz gezeigt: Marcus Abel aus den USA; Jeong Sook Ahn aus Südkorea; Nelleke Beltjens aus den Niederlanden; András Gál aus Ungarn; Jakob Gasteiger aus Österreich; Johannes Girardoni aus Österreich-USA; Jus Juchtmans aus Belgien; Jae Ko aus Südkorea; Tomoji Ogawa aus Japan; Frank Piasta aus Deutschland; Thomas Pihl aus Norwegen; Nicola Rae aus England; Paul Raguénès aus Frankreich; René Rietmeyer aus den Niederlanden; Yuko Sakurai und Takashi Suzuki, beide aus Japan.

Takashi Naraha
   

Takashi Naraha: „Structure Mandala“, 1994, grauer Granit Bohuslan Schweden, 560 x 137 x 110 cm

 

   

„Personal Structures“ wurde von dem niederländischen Künstler René Rietmeyer initiiert und in enger Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Dr. Peter Lodermeyer realisiert. Ende 2003 wurde das Projekt mit dem Erscheinen des Buchs „Personal Structures. Works and Dialogues“ ins Leben gerufen. Mit dieser Publikation, die zugleich in englischer, deutscher und niederländischer Sprache erscheint, präsentiert sich das Projekt unter Verzicht auf ein verbindliches Programm oder Manifest als undogmatisches, offenes Forum abseits der Organisationsform traditioneller Künstlergruppen. Nachdem „Personal Structures“ sich in mehreren Ausstellungen bereits in kleineren, wechselnden Besetzungen präsentierte, bietet die Ausstellung im Ludwig Museum in Koblenz nun dem Publikum erstmals einen Gesamtüberblick über die künstlerische Bandbreite dieses ambitionierten Projekts. Einen zusätzlichen Beitrag zur Ausstellung liefern der niederländische Fotograf Frans Lossie mit einer Reihe großformatiger Porträtfotos der beteiligten Künstler sowie Takashi Naraha aus Japan, dessen großformatige Außenskulptur vom 17. April 2005 an als Dauerleihgabe im Garten beim Ludwig Museum präsentiert wird.

Editionen
Der Künstler René Rietmeyer hatte eigens zur Ausstellung für das Ludwig Museum eine limitierte Serie von Boxes mit dem Titel „Mittelrhein“ kreiert. Diese Edition ist bereits ausverkauft.

Bei GlobalArtAffairs Publishing erschien zur Ausstellung das Buch von Peter Lodermeyer: „Personal Structures. Werke und Dialoge“, Hardcover, 172 Seiten, € 35,- (bei Versand zzgl. Porto)

 
 

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Jakob Gasteiger