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Russlands Künstler zwischen Cezannismus und Lyrischer Abstraktion
5. September bis 23. November 2003

 
 

           „Ich kannte niemanden in Paris,
                                        niemand kannte mich. …

Nun aber sah ich mit eigenen Augen das, worüber ich in der Ferne nur gesprochen hatte, und ich sog die Eindrücke ein: diese Revolution der Sichtweise, dieser Wirbel von Farben, die spontan und absichtsvoll im Strom durchdachter Linien ineinander versinken, wie es Cézanne wollte, und frei dominieren, wie es Matisse betonte. Ich hatte das in meiner Stadt nicht sehen können: Die Landschaften und Visionen von Cézanne, Renoir, van Gogh, der Fauvismus von Matisse und noch vieles andere verblüfften mich. Sie zogen mich an wie ein Naturphänomen."

Marc Chagall, Mein Leben, 1921

 
 

Wieder einmal zeigt das Ludwig Museum in Koblenz eine wichtige Ausstellung zur russischen Kunst des 20. Jahrhunderts: „Treffpunkt Paris! Russlands Künstler zwischen Cezannismus und Lyrischer Abstraktion“ stellt die russische Kunst im Zentrum der Metropole Paris vor – in der Weltstadt der Kunst, dem Ort der Avantgarde.

Im Zentrum der Schau stehen Werke, die russische Künstler in Paris schufen. Es sind dabei vier wichtige Schaffenszeiträume zusammengefasst: die erste Gruppe umschließt jene um Serge Diaghilews „Mir Iskustwa" und seine „Ballets Russes" (mit Werken von Benois, Bakst, Exter, Larionow, Gontscharowa, Popova, u.a.) sowie die davon unabhängig wirkenden Künstler wie Archipenko, Tatlin, Shterenberg, Falk etc. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges und die Russische Revolution trugen zur Verschärfung der Situation der Künstler und Emigranten bei. Die meisten von ihnen kehrten in ihre Heimat zurück, einige, wie etwa Chagall, fanden erst nach der Rückkehr zu ihrem stärksten künstlerischen Ausdruck.

Die zweite Zäsur bringen jene Künstler ein, die nach der Russischen Revolution als Exilanten nach Paris kamen und nicht mehr so stark im Rampenlicht standen, wie die erste Welle der Avantgarde-Künstler, hier sind vor allem Annenkow, Andreenko, Bouchène, Grigoriew, Jakowlew, Vassiliewa, Kontschalowsky, Korowin u.a. zu nennen. Aber auch herausragende künstlerische Positionen wie jene von Marc Chagall, Wladimir Baranow-Rossiné, Jacques Lipschitz, Chaim Soutine etc. untermauern die wesentlichen Impulse, die aus dem eigenständigen, künstlerisch geformten Selbstverständnis heraus erwuchsen. Dass dabei der Einfluss französischer Kunst, sei es Cezannismus, Kubismus oder Fauvismus, später dann auch wesentlich der Surrealismus – nicht nur unterschwellig, sondern auch ganz öffentlich – zu Tage tritt, ist spannend zu beobachten und für die Entwicklung der Kunst im 20. Jahrhundert von großer Bedeutung

Ein wichtiges künstlerisches Zentrum waren die russische Künstlerkolonie „La Ruche" (Bienenkorb), wo auf engstem Raum zahlreiche Künstler arbeiteten, und die eigens gegründeten russischen Akademien. Sie alle schufen ein neues Klima der künstlerischen Produktion, das von Austausch und Miteinander geprägt war. Sie waren u.a. auch geschützte Orte, wo die sich als Exilanten definierenden Künstler einen eigenen Entfaltungsraum fanden.

Die dritte Zeitspanne der 30er Jahre bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs vervollständigt die Entwicklung jener, die schon länger in Paris verweilten, oder erneut kurzzeitig in der Metropole arbeiten, wie etwa Pevsner, Falk, Baranow-Rossiné, David Shterenberg, Leopold Survage, u.a. Die vierte Phase fasst jene Künstler zusammen, die nach dem zweiten Weltkrieg die abstrakte Malerei in Paris mit entwickelt haben: Allen voran Serge Charchoune, Philippe Hosiansson, André Lanskoy, Nicolas de Stael und Léon Zack. Die Auseinandersetzung nicht nur mit dem französischen Informel, sondern auch die Kenntnis von Entwicklungen in der zeitgenössischen amerikanischen Malerei öffnen neue Horizonte und Wahrnehmungsmöglichkeiten, die in den Werken eines jeden von ihnen intergriert werden.

Das Spektrum der Ausstellung reicht von 1905 bis 1965 – es sind 45 künstlerische Positionen zu sehen, ein ganzer Kosmos russischer Kunst der klassischen Moderne. Schwerpunkt bildet vor allem die Malerei, aber auch Skulpturen, Theaterentwürfe, Grafiken, Plakate, Illustrationen, Buchdrucke und Porzellanarbeiten zeigt die Ausstellung.

Mehr als 180 Exponate stammen aus der Staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau, dem National Museum in Kiew, dem Centre Georges Pompidou in Paris, dem Calvet Musée, Avignon, Musée d´Art Moderne, St. Etienne, der Kunsthalle Hamburg, Sprengel Museum, Hannover, Folkwang Museum, Essen, dem Hessischen Landesmuseum, Darmstadt, und internationalen Privatsammlungen. Die sorgfältig recherchierten Arbeiten aus der Staatlichen Trejakow-Galerie in Moskau wurden eigens für diese Ausstellung im Ludwig Museum erstmals zur Ausleihe jenseits von Russland freigegeben, einige von ihnen wurden noch nie vorgestellt. Es handelt sich um echte Entdeckungen!

Die Ausstellung wird von Dr. Alexandra Shatskich aus Moskau kuratiert, es erscheint ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen renommierter Wissenschaftler aus Russland, Ukraine, Frankreich, mit zahlreichen, bislang unpublizierten Werken aus der Staatlichen Tretjakow Galerie, Moskau, dem Nationalmuseum Kiev, sowie aus internationalem Privatbesitz.

 

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Ludwig Museum Koblenz