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Daniel Spoerri - Eaten by ...
30.08.2009 - 01. November 2009


Zur Austellung Mack >>

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Daniel Spoerri, Schildkrötenpyramide, 2008, Bronze,
66 x 65 x 40 cm, Foto: Susanne Neumann, Berlin.

Das Ludwig Museum zeigt in einer Doppel-Ausstellung eine Auswahl des in fünfzig Jahren - von 1959 bis 2009 - entstandenen Werks zweier international agierender Künstler: Heinz Mack und Daniel Spoerri. Beide feiern im nächsten und übernächsten Jahr ihren achtzigsten Geburtstag mit großen, retrospektiv angelegten Schauen. Zuvor präsentieren die beiden Künstler - 1930 bzw. 1931 geboren, Gründungsvater der Gruppe ZERO der eine, Gründungsmitglied der Gruppe der Nouveaux Réalistes der andere - in Koblenz Werke, die den künstlerischen Ansatz seit der Zeit der späten 50er/frühen 60er Jahre dokumentieren. Die Idee basiert unter anderem auf einer von Charles Wilp stammenden Fotografie des Jahres 1959: Sie hält ein Zusammentreffen von Mack und Spoerri mit Freunden in Antwerpen fest. Bei Bier und Zigaretten sitzen sie mit dem zweiten Gründungsmitglied der Gruppe ZERO, Otto Piene, sowie weiteren Nouveaux Réalistes, nämlich Jean Tinguely und Yves Klein, und schließlich Pol Bury, der wie Heinz Mack kinetische, motorbetriebene Skulpturen herstellte, gemeinsam am Tisch in einer Kneipe.

Von links nach rechts: Heinz Mack, Otto Piene, Jean Tinguely,
Daniel Spoerri, Pol Bury, Yves Klein, 1959 in Antwerpen.
Fotografie: Charles Wilp



Es gab einen losen Kontakt von Daniel Spoerri zu ZERO über seine Freunde Yves Klein sowie dessen Frau, der Schwester von Günther Uecker, und Jean Tinguely. So beteiligte sich Daniel Spoerri im selben Jahr auch an der von Heinz Mack und Otto Piene organisierten Ausstellung “Dynamo” in der Galerie Renate Boukes in Wiesbaden. Umgekehrt sandte Heinz Mack zu dieser Zeit nach Paris ein Multiple für die von Daniel Spoerri ins Leben gerufene Edition MAT (Multiplication d’Art Transformable), die im November und Dezember 1959 in Paris in der Galerie Edouard Loeb erstmals gezeigt wurde. Aus dieser Multiple-Serie, die auf je 100 Stück begrenzt war, besitzt das Ludwig Museum zwei Arbeiten von Daniel Spoerri.

Die beiden Ausstellungen skizzieren jede für sich die entscheidenden Impulse ihres künstlerischen Wirkens:

Für Heinz Mack war es die Erfindung von ZERO auf der Basis seiner Licht-Experimente, die sich bereits ab 1956 ihre Bahn brachen und in der ZERO-Zeit bereits ihren ersten Höhepunkt erfuhren.

Daniel Spoerri entwickelte ganz im Geiste der Nouveaux Réalistes ein neues Thema der Alltagskultur, die um das Essen, dessen Entstehen und Vergehen kreisen. Wie kein anderer verbindet er dieses mit dem Handlungsakt selbst. Bis heute steht die von ihm definierte Eat Art mit ersten Konzepten in Zusammenhang, die er bereits in einem Hotelzimmer 1959 erfunden und entwickelt hat, nämlich im Zimmer Nr. 13 im Pariser Hôtel Carcassonne.

Daniel Spoerri, Mitunterzeichner des Manifests des Nouveau Réalisme im Jahr 1960, wird im nächsten Jahr zu seinem 80. Geburtstag mit vielen Ausstellungen europaweit geehrt, vor allem in Italien. Das Ludwig Museum, das im Besitz von zwei seiner Arbeiten aus der Edition MAT (Multiplication d’art transformable) ist, zeigt nun noch vor dem Geburtstag als Kern die in Bern befindliche Replik des kleinen Zimmers im Pariser Hôtel Carcassonne. In diesem Hotelzimmer lebte Daniel Spoerri ab 1959 einige Jahre, und er begann dort mit seinen sogenannten Fallenbildern, für die er heute berühmt ist. Erste “Fallenbilder” wurden beim “Festival d’art avantgarde” im Palais des Expositions Porte de Versailles in Paris ausgestellt.

Daniel Spoerri kam auch nach Düsseldorf, aber nach Heinz Mack, der dort schon 1957 ZERO gründete. Spoerri eröffnete hier 1968 das “Restaurant Spoerri” und entwickelte sein Konzept der “Eat Art“ (weiter).

Die Ausstellung in Koblenz zeigt neben der Replik des Hotelzimmers, in dem die ersten “Fallenbilder” entstanden, eine Reihe von originalen Fallenbildern, die aus der Zeit von 1978 bis 1992 datieren. Darüber hinaus wird die Schau um aktuelle Assemblagen und Bronzen bzw. Skulpturen ergänzt. Die Arbeiten stammen im Kern aus zwei wichtigen Sammlungen in Bern und Hamburg.

Daniel Spoerri, Napoleonküken, Serie Prillwitzchen, 2005,
Bronze, 18 x 6,7 x 12 cm, Foto: Susanne Neumann, Berlin.



Kurzbiografie Daniel Spoerri:
Daniel Spoerri wurde 1930 in Galati, Rumänien, geboren. Er floh 1942 mit der Mutter und den Geschwistern nach Zürich, wo er 1949 eine Theatertanzschule besuchte. In den fünfziger Jahren wurde er vor diesem Hintergrund professioneller Tänzer, seine Karriere begann in Bern. Nach der Unterzeichnung des Manifests der Nouveau Réalistes 1960 in Paris trat die Bildende Kunst in den Vordergrund. Als bildender Künstler wurde er in den 60er Jahren vor allem mit den sogenannten “Fallenbildern” bekannt. Später machte er sich als Restaurantchef und Begründer der Eat Art einen Namen:

Berühmt sind seine Galerie in Düsseldorf und die Ausrichtung zahlreicher Bankette. In den 90er Jahren schuf er in Italien südlich von Siena in Seggiano für sein international ausgerichtetes Projekt “Il Giardino” (Der Garten) einen ausgedehnten Skulpturengarten, seit 1997 eine italienische Stiftung. Seit einigen Monaten lebt er in Österreich. Gerade eröffnete er in Hadersdorf am Kamp bei Krems in Niederösterreich zwei neue Häuser: Spoerris neues Projekt heißt “Eat Art & Ab Art”! Ein ehemaliges renoviertes Klostergebäude beherbergt viele neue Werke von Daniel Spoerri. In Zukunft sollen hier auch Ausstellungen zu wechselnden Themen mit Werken befreundeter Künstler stattfinden. Schräg gebenüber am selben Platz wurde ein Esslokal eingerichtet, wo ein großer Saal im 1. Stock Platz für Veranstaltungen bietet: Lesungen, Konzerte und vielleicht auch Spoerris legendäre Eat Art Bankette ...

Weitere Informationen sind auf seiner Homepage zu finden: www.danielspoerri.org.

Zur Ausstellung “Daniel Spoerri - Eaten by ...” erscheint ein Katalog im Kerber Verlag (deutsch/englisch), Bielefeld, mit einem Vorwort von Beate Reifenscheid und Beiträgen von Christiane Morsbach, Enrico Pedrini, Barbara Räderscheidt, Dieter Ronte und Wieland Schmied sowie einem Text von Daniel Spoerri, 144 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen. Der Preis an der Museumskasse beträgt ca. 25 Euro.

Daniel Spoerri, Rekonstruktion des Chambre No. 13,
Hôtel Carcassonne,
1998, Courtesy Galerie Henze + Ketterer, Wichtrach-Bern

Daniel Spoerri, Kinderwagen, 2008, Bronze,
102 x 37 x 62 cm, Foto: Susanne Neumann, Berlin.

Daniel Spoerri, Tribulum, 2008, Bronze,
220 x 160 x 180 cm, Foto: Susanne Neumann, Berlin.

FINISSAGE mit PERFORMANCE des amerikanischen Fluxus-Künstlers und Freundes von Daniel Spoerri, BEN PATTERSON!

Programm zum letzten Tag der Doppel-Ausstellung HEINZ MACK - Licht der ZERO-Zeit und DANIEL SPOERRI - Eaten by ...
Sonntag, 01.11.09, 15.00 bis 18.00 Uhr

* Führung durch die Doppel-Ausstellung mit Direktorin Dr. Beate Reifenscheid
* Vokal-Improvisationen von Christiana Jordan, Sopran, zum Thema Licht in der Ausstellung HEINZ MACK - Licht der ZERO-Zeit.
* Willkommen Kinder! Ups - Licht und Spiegel in der Falle … Workshops und Rallys!
* Film-Nachmittag zur Kunst von Daniel Spoerri und zu seinem Garten in Italien - kommentiert von Barbara Räderscheidt, Köln, Atelier-Mitarbeiterin von Daniel Spoerri!
* In einer etwa 30-minütigen Performance wird der im Frühjahr 75 Jahre alt gewordene amerikanische Fluxus-Künstler und studierte Kontrabassist Ben Patterson „The Golden Age of Fluxus in Miniatur“ zelebrieren: Seine Aktion „Alles aus einem Koffer“ wird auf einem Tisch etwa 30 klassische Fluxus-Stücke in Miniatur präsentieren. Sie werden in einem Live-Video in den Raum projiziert.

Die Performance wird nach Aufführungen in Barcelona und Budapest erstmals in Deutschland aufgeführt. Sie nimmt unmittelbar Bezug auf seine Freundschaft zu Daniel Spoerri, von der Ben Patterson auch zu Beginn im Ludwig Museum erzählen wird: Davon, wie er Daniel Spoerri bereits 1961 in Köln in der Galerie Lauhus kennengelernt hat und zu dessen Ausstellung „Der Koffer (Alle Nouveaux Realistes in einem Koffer)“ eine Performance aufgeführt hat, davon, wie er über Daniel Spoerri auch Robert Filliou kennengelernt hat, davon wie ihr gemeinsamer Freund Emmett Williams das „Anekdotenallerlei“ zu Daniel Spoerris berühmter Publikation „Anekdoten zu einer Topographie des Zufalls“ beigesteuert hat, und davon, dass Daniel Spoerri schon 1964 in New York die für Koblenz titelgebende Ausstellung „Eaten by …“ präsentierte und hier das Fallenbild Nr. 1 den Titel trägt „Eaten by … Marcel Duchamp“, während bereits das zweite Fallenbild, Nr. 2, „Eaten by … Ben Patterson“ benannt ist ...

Übrigens: Eines des 1973 wiederholten Auflagenobjekts der „Koffer – Les Nouveaux Réalistes“ von Daniel Spoerri zeigt das Ludwig Museum als private Leihgabe)!

Über Ben Patterson:

Barbara Räderscheidt und Ben Patterson bei der Eröffnung der beiden
Ausstellungen Heinz Mack und Daniel Spoerri am 30. August.

Der 1934 in Pittsburgh geborene Ben Patterson war nach einem Studium an der University of Michigan Ann Arbor als Kontrabassist 1962 mit George Maciunas in Wiesbaden Organisator des weltberühmten Fluxus Festivals in Wiesbaden, das geradezu als Geburtsstunde von Fluxus gilt: Patterson hatte Maciunas über den Künstler Emmett Williams kennengelernt, als er für einige Jahre in Köln lebte, um dort in elektronischen Musikstudios zu arbeiten. In Wiesbaden traf er Künstler und Kunstexperten, die heute allesamt bekannt sind - Bazon Brock, René Block, Dick Higgins, Wolf Vostell, Nam June Paik. Nach Patterson war Fluxus zunächst einmal der Titel einer Zeitschrift, die George Maciunas herausgeben wollte. Zu Promotionzwecken hatte er das Festival in Wiesbaden vorgesehen, als er gerade als Grafiker in Erbenheim stationiert war. An zwei Wochenenden im September 1962 wurden vierzehn Programme in Wiesbaden aufgeführt, von Musik Konkret aus Paris bis zu Poems der Beat-Generation. Darunter sollte auch eine Komposition von Philipp Corner aufgeführt werden, "Piano Activities". Dazu zählte es, mit außergewöhnlichen Methoden Klänge zu erzeugen. … Eine Gruppe junger Leute - darunter Ben Patterson - schlug im Verlauf auf einen Flügel ein. Ben Patterson erzählt hierzu: "Die Sache mit dem Flügel war so gar nicht geplant. Manche waren amüsiert, manche schockiert … Die Zerstörung war ein Befreiungsschlag: Sie repräsentierte den Bruch mit der Vergangenheit und eröffnete die Möglichkeit, etwas ganz Neues zu erschaffen."

Ben Patterson lebt seit Anfang der 1990er Jahre in Wiesbaden. Er war einige Jahre lang stellvertretender Kommissar für Kultur in New York. Seit Jahrzehnten ist er durch seine hintersinnigen und ironischen Installationen und Performances international bekannt. Nächstes Jahr, 2010, startet die Retrospektive seiner Arbeiten im Contemporary Arts Museum Houston.

Eintritt: 5 Euro, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre frei!
Für Getränke und kleine Stärkungen wird gesorgt.

Begleitprogramm zu den beiden Ausstellungen:

Ein exklusives Diner mit Tafelmusik, ein Vortrag zur Gastrosophie von Professor Dr. Harald Lemke, eine Diskussion mit Linde Rohr-Bongard, Manager Magazin, und Special-Guests, wie Vertreter der ZERO-Foundation und die engsten Mitarbeiter von Daniel Spoerri bei “Jump in Art! - Raus aus dem Büro, rein ins Kunstvergnügen!” sind u.a. Veranstaltungs-Highlights.

Exklusiv bietet das Ludwig Museum für die Mitglieder der Freunde des Ludwig Museums und des Mittelrhein-Museums eine Fahrt in das Atelier von Heinz Mack nach Mönchengladbach an. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen beschränkt. Anmeldung mit Vorkasse bei Elisabeth Sauer-Kirchlinne, Vorsitzende des Vereins, unter 0261 66066.

Museumpädaogisch speziell auf die beiden Ausstellungen zugeschnittene Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche bilden außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm, das unter der Leitung von Ute Hofmann-Gill steht.

FÜR LEHRER
Es besteht das Angebot zu einer vom ILF als Fortbildung anerkannten exklusiven Führung für Kindergärtner/innen und Lehrer/innen gleich am ersten Tag der Laufzeit der Ausstellungen: Montag, 31.08.09, 12.00 und 16.00 Uhr. Hier werden die Besonderheiten und das Programm für Kinder und Jugendliche vorgestellt. Anmeldung: 0261-30 40 416 oder info@ludwigmuseum.org. Die Nummern werden noch angegeben.

LANGE NACH DER MUSEEN
Einen der Höhepunkte bildet dabei das Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zur Langen Nacht der Museen am 5. September 2009, 19.00 bis 01.00 Uhr, u.a. mit: Saxophon-Walk-Act, Eat-Art-Happening, Klang-Performance, Lesung aus Daniel Spoerri’s Gastronomischem Tagebuch, Malfallen-Angebot der Jugendkunstwerkstatt, Koblenz ...:

 
 

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