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Transformation
Monika Fioreschy
Arbeiten/Works 1969-2011

11.11.2011 bis 15.01.2012


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Open Heart

Monika Fioreschy (geboren 1947 in Auer/Südtirol) begann bereits während ihres Studiums an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, sich neben dem traditionellen Bildgrund der Leinwand auch dem Weben zuzuwenden. Sie entwickelte dabei ihre ganz eigene Art der Webkunst, die sie ab den 1990er Jahren durch ungewöhnlichen Materialeinsatz experimentell ausweitete. In den als "Transfusionsbildern" betitelten Werken begann Monika Fioreschy ab 1996, Blut statt Farbe einzusetzen. Ganz im Sinne eines neuen Interesses an Materialien und deren naturbedingten Wandlungsprozessen wie sie in den 1990er Jahren bei zahlreichen Künstlern zu vermerken sind, entwickelte sie in der Folgezeit zahlreiche Versuchsreihen und bildnerische Experimente. Bei der Beobachtung einer Herzoperation entdeckte die Künstlerin den medizinischen Silikonschlauch für ihre eigene Arbeit und setzte diesen fortan als ungewöhnliches Webmaterial oder als Malgrund ein. In diese Schläuche injizierte Monika Fioreschy nicht nur Blut, sondern ab 1997 Chlorophyll, nach dem menschlichen somit den pflanzlichen Lebenssaft.

In dem Werkzyklus der "Sil-Ikonen" schließlich bemalt die Künstlerin Silikongewebe nur noch von außen. Hier schafft sie einerseits irritierende Bilder mit Reliefcharakter, die im Betrachter Assoziationen an organische Strukturen wachrufen, sowie andererseits Bilder, in denen die Silikonstruktur zugunsten der Farbe nahezu vollständig in den Hintergrund tritt. In den späteren Arbeiten findet die Künstlerin zu ihrem Ausgangsmaterial Wolle zurück, und verwebt diese Silikonschläuchen und gelegentlich auch mit biegsamen Neonröhren.

Die Ausstellung zeigt abschließend die aktuellsten Arbeiten Monika Fioreschys, die "Fiorungen". Dies sind verhaltene Collagen, die durch ihren Dialog zwischen Grau und ein bis zwei kräftigeren Farbtönen gehalten sind und zugleich mit ihrer formal strengen Anordnung die Spannung des Webmusters in sich aufnehmen.
Mit nahezu siebzig Werken umkreist die Ausstellung unterschiedlichste Entwicklungsstadien des ?uvres und zeigt eine Linie auf, die von den frühesten, abstrakt formulierten Temperaarbeiten über die verschiedenen Stadien des Webens, insbesondere unter Einbezug der Lebenselexiere Blut und Chlorophyll, bis hin zu den aktuellen Collagen einen konsequenten Bogen schlägt. Monika Fioreschy hat bereits international ausgestellt, u.a. in Washington, München, Brüssel, Frankfurt/Main und Wien. Die Ausstellung im Ludwig Museum Koblenz jedoch stellt erstmals umfassend ihr Gesamtwerk vor.

Blauer Planet II 2002, Lichtplatte und
Perlacryl (61x51 cm)
"Silikongepflecht" 2011, Perlacryl (54x54 cm)
Himmel und Erde, Chlorophylltransfusion,
Silikon, Aquarellfarbe, Alu, 2002, 162 x 182 cm



DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND …
Fotografien aus zwei Ländern von Rudolf Holtappel und Thomas Kläber
27. November 2011 bis 29. Januar 2012

DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND … Fotografien aus zwei Ländern von Rudolf Holtappel und Thomas Kläber


 


Rudolf Holtappel

Mit der Ausstellung "Deutschland, Deutschland…" gibt das Ludwig Museum Koblenz einen intimen Einblick in das Alltagsleben der BRD und DDR, gesehen von zwei Zeitzeugen, die ihr unmittelbares Umfeld fotografisch dokumentiert haben. Das große Interesse an Menschen, deren Lebensbedingungen und Umfeld zeichnet beide Fotografen aus. Ihre Mitmenschen zeigen sie ungeschönt und ohne Inszenierung, stellen diese aber niemals bloß oder geben ihre Protagonisten der Lächerlichkeit preis. Höchstens ein Augenzwinkern oder unterschwelliger Humor ist den Bildern zu entnehmen. Beiden Fotografen ist zudem eigen, dass sie sich über einen sehr langen Zeitraum immer wieder mit den gleichen Orten auseinandergesetzt haben und daher das Vertraute intensiv studieren konnten, so dass man in einigen Bildern den Eindruck eines Blickes unter die Oberfläche gewinnt.

Rudolf Holtappel

Rudolf Holtappel (geb. 1923 in Münster/Westf.) zeichnet ein Bild des Ruhrgebiets der 1950er und 1960er Jahre, das einen unverstellten Blick auf die Schwerindustrie und der sich an die Industrie angepassten Städte und deren Bewohner gibt. Man ahnt die Mühsal und harte Arbeit der dort lebenden Menschen, aber Holtappel ist es auch gelungen, Momente von Schönheit und menschengeschaffener Idylle einzufangen. Bereits das Titelbild des Kataloges "Duisburg-Hamborn, August Thyssen Hütte, 1959" übt auf den Betrachter eine Faszination aus, welche durch den starken Kontrast von dampfenden Industrieschloten im Hintergrund und zwei kleinen Mädchen im Vordergrund, die eine Henkeltasche zwischen sich tragend auf einen kleinen Garten zulaufen, geschaffen wird. Das Nebeneinander von Industrie und Mensch findet Nachhall in vielen Bildern Holtappels, die vordergründig nicht mit der Kulisse oder Stereotypen des Ruhrgebiets spielen, sondern die Bewohner während der Freizeit in Läden, Einkaufsstraßen oder Kneipen zeigen. Heterogene Menschengruppen leben hier gemeinsam, zusammengewürfelt im Ruhrgebiet durch den großen Bedarf an Arbeitskräften. Die präzise Auswahl des Bildausschnitts und die dokumentarische Distanz des Fotografen, die trotz aller Nähe zum Objekt spürbar bleibt, bewahren den Betrachter vor einem Abrutschen in Sentimentalität oder den Drang, eine vergangene Epoche zu beschwören. Zu sehr wird man beim Betrachten der Fotos immer wieder gewahr, wie die Menschen berührt wurden durch den alltäglichen Schmutz und die Emissionen der Industrielandschaft, ihrem Zuhause.

Thomas Kläber

Thomas Kläber (geb. 1955 in Beyern/Brandenburg) fokussiert in seinen Fotos die Region Südbrandenburg und dessen Bewohner im Zeitraum der 1970er und 1980er Jahre. Hier dokumentiert Kläber das Arbeits- und Freizeitleben der Menschen im ländlichen Raum sowie in der Stadt, die teilweise geprägt ist durch "Ost"-Architektur und sozialistische Parolen, angebracht an Häusern und Zäunen. Zuweilen dokumentieren seine Fotos auch an vielen Stellen die Diskrepanz der vom Staat ausgegebenen Parolen und dem alltäglichen Leben der Bürger. So sieht man in dem 1987 entstandenen Bild "Das Programm der Partei, bei Kamenz", auf einer Betonmauer, die etwa 2/3 des Bildes einnimmt, gekrönt von Stacheldraht, den einschwörenden Ausspruch "Das Programm der Partei ist das Programm des Volkes". Hinter dieser gegen Überklettern gesicherten Mauer sieht man ein paar Baumwipfel in den Himmel ragen, die etwas zu versprechen scheinen, was für die Menschen vor der Mauer weder erreichbar noch für sie gewollt ist. Auf einem weiteren Bild, "Die Wende, Cottbus", 1990, hat der Fotograf wiederum ein Schild an einem Zaun festgehalten, auf dem der Spruch zu lesen ist: "Ruhm und Ehre der Partei der Arbeiterklasse der DDR". Dieses Foto jedoch zeigt die Parolen des Regimes nicht mit Verbitterung, sondern Kläber hat mit Humor ein Stück Wendegeschichte festgehalten: das Schild nämlich wurde umgedreht, die Schrift steht demnach auf dem Kopf und wurde von jemandem mit einem handschriftlichen Aufkleber "die Wende" versehen.

Doch auch der ganz nahe Blick auf den Menschen gelingt Thomas Kläber und zeugt von einer offenen Vertrautheit, mit der ihm die Portraitieren begegnen und unprätentiös Einblick in ihr Leben gewähren. Wie Zeugnisse einer bereits vergangenen Zeit, schon viel weiter von uns entfernt als es die Wende inzwischen ist, wirken die Aufnahmen der sorbischen Bäuerinnen auf dem brandenburgischen Acker, die ohne maschinelle Hilfe Kartoffeln auflesen und an Bilder aus dem 19. Jh. erinnern. Wie ein Gemälde wirkt das Arrangement aus gebückt arbeitenden Frauen in Tracht, die Kopftücher und lange Röcke tragen, vor dem weiten Himmel und dem fast schnurgeraden Horizont. Gleichsam einer liebevollen und nachsichtigen Milieustudie zeigt Kläber, wie die Menschen sich eingerichtet haben, wie sie arbeiteten und feierten oder sich in ihren Familien, mit den Nachbarn und den Kollegen zusammenfanden und bei Sportveranstaltungen und selbst organisierten Modenschauen ihre dörfliche Freizeit genossen. Kurzum, der Fotograf gewährt uns Einblicke in ein Leben und eine Gesellschaft, die ihm wiederum ohne Argwohn diese Einblicke gewährt hat.

Die Ausstellung wurde von der Galerie m Bochum organisiert und von Silke von Berswordt-Wallrabe kuratiert. Zuvor war sie bereits in der Stiftung Situation Kunst, Bochum und im Ulmer Museum zu sehen. Nachdem die Ausstellung in Koblenz gezeigt wird, wandert sie in das Museum Dieselkraftwerk Cottbus weiter und kann dort vom 12. 02. - 29. 04. 2012 besichtigt werden.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher wissenschaftlicher Katalog im Kerber Verlag, Bielefeld erschienen. Herausgeber sind Silke von Berswordt-Wallrabe, Perdita von Kraft, Martin Mäntele und Beate Reifenscheid.

Rudolf Holtappel
Thomas Kläber
 
 

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