Skulpturenpark

Das Ludwig Museum nutzt neben seinen Ausstellungsräumen den angrenzenden Park als ständige Ausstellungsfläche für markante Skulpturen der Sammlung. Auch hier gibt es jede Menge zu entdecken und zu genießen.

Der Blumenhof liegt unweit des kulturträchtigen Ortes am Zusammenfluss von Rhein und Mosel und breitet sich um die Basilika St. Kastor herum aus. Die Anlage ist in drei Bereiche gegliedert, die zur BUGA 2011 neu gestaltet wurden: Der Hof des Ludwig Museums im Deutschherrenhaus mit der ehemaligen Kapelle, der „Skulpturenpark“ - ein Ort, an dem Kunst und Skulpturen im Kontext zum Museum präsentiert werden - sowie dem „Blütenhof“ zwischen Ludwig Museum und der Basilika St. Kastor. Der südliche Hof der Kastorkirche greift als einer der besinnlichsten Orte in Koblenz das mittelalterliche Thema des  „hortus conclusus“ (lat. geschlossener Garten) auf. Sinnbildlich für die Heilige Jungfrau Maria wurde der „Paradiesgarten“ als ein von Hecken umfriedeter, stiller Ort mit ausgewählten Pflanzen aus der Mariensymbolik rund um ein Wasserbecken gestaltet, das Reinheit symbolisiert.

Ansicht Ludwig Museum von der Stadtseite, Frühjahr 2014. Foto: Bogdan Harstall
Ansicht des Museums aus dem Blumenhof der St. Kastor-Kirche. Foto und Copyright: Helmut Beier
Ansicht Ludwig Museum von der Rheinpromenade aus. Foto: Martin Montorfano

 

Einzelne Besucher und auch ganze Gruppen lassen sich regelmäßig vor der Césars Bronzeplastik „Le Pouce/ Der Daumen“ ablichten, dessen zwölf Meter hohes Pendant am modernen Pariser Hochhausviertel La Défense steht. Die Installation „Dépôt de mémoire. Stätte des Vergessens und Erinnerns“ von Anne und Patrick Poirier und HD Schraders Bauminstallation „Cubes and Trees“ bieten von der Museumsterasse aus einen günstigen Blick auf das Kaiserdenkmal am Deutschen Eck und dem Verlauf des Rheins. Von hier aus hat der Besucher eine wunderbare Sicht auf die Festung Ehrenbreitstein und auf das legendäre Feuerwerk bei „Rhein in Flammen“.

Ansicht von der Museumsterasse aus mit dem Kaiserdenkmal, HD Schraders Installation "Cube and Tree" und Anne und Patrick Poiriers Instalation "Dépot de mémoire". Foto: Helmut Beier

 
César, Le pouce (1965)

Dem Daumen, der in mehreren Auflagen in verschiedenen Größen in Bronze gegossen wurde, liegt ein Original in orangerotem Polyester von 41 cm Höhe aus dem Jahr 1965 zugrunde. Anlass dieser Arbeit war laut César eine Aufforderung seines Galeristen Claude Bernard, sich an einer Ausstellung zum Thema "Hand" zu beteiligen. Abgeformt wurde in der heutigen Plastik der authentische Daumen Césars selbst. Assoziationen an die berühmte Daumen-Geste des römischen Feldherrn Gaius Julius Cesar seien, so der Künstler, durchaus erwünscht. Versionen des Daumens aus unterschiedlichen Materialien in diversen Größen wurden 1968 auf der documenta IV in Kassel aufgestellt. Der Koblenzer Daumen wurde in den frühen 1970er Jahren von Bocquel für die vierte Bronzefassung gegossen. Dieser Version folgten noch zwei Einzelstücke, ein sechs Meter hoher Daumen für die Stadt Seoul und ein zwölf Meter hohes Exemplar für das Pariser Büroviertel La Défense.

Museumsdirektorin Prof. Dr. Beate Reifenscheid vor César's Daumen "Le pouce". Foto und Copyright: Helmut Beier

 

Bernar Venet , 24.5° Arc x 5 et 225° Arc x 5 (2011)

Die Skulptur 224.5° Arc x 5 et 225° Arc x 5 des Franzosen Bernar Venet ist seit 2011 in direkter Umgebung des Ludwig Museums Koblenz aufgestellt. Zwischen Ludwig Museum und Kaiser-Wilhelm-Denkmals steht die aus Stahlbarren hergestellte monumentale Skulptur. In Bernar Venets Werken zeigt sich seine Faszination für grobe Materialien, so stellte er in seinen Anfängen unter anderem Gemälde aus Teer her. Diese groben Materialien sollen im Endergebnis sichtbar bleiben: „Mir liegt daran, in meinen Plastiken die natürliche Energie ihrer anatomischen Masse, ihr Verhältnis zur Schwere zu bewahren, das zu respektieren, was ihre Eigenschaften ausmacht: den Unterschied, die Identität.“(Perlein, Gilbert: Gespräch mit Bernar Venet. In: Bernar Venet. Rètrospective. 1963–1993. Wilhelm Hack Museum, Ludwigshafen am Rhein 1993. S. 48.)

Bernar Venet, "224.5° Arc x 5 et 225° Arc x 5", 2011 im Skulpturenpark des Ludwig Museum, Eingang in Richtung Kaiserdenkmal. Foto: Bogdan Harstall

 


 

Anne und Patrick Poirier, Dépôt de mémoire. Stätte des Vergessens und Erinnerns (1992)

Die Außenskulptur des französischen Künstlerpaares Anne und Patrick Poirier begreift sich in ihrer antikisierenden Form als Referenz zu den historischen Stätten des Deutschen Eck und des Kaiserdenkmals. Sie entspricht aber auch dem künstlerischen Konzept von Anne und Patrick Poirier, anhand von erdachten archäologischen Stätten und Fundorten eine neue, sehr poetische Dimension von historischer Erinneruns- und zeitgenössischer Erschließungsarbeit zu vollziehen. Mit großen Marmorblöcken und -Quadern  inszenieren die Poiriers einen Ort, an dem scheinbar Historie  bereits stattgefunden hat, die sich anhand steinerner Relikte überliefern. In römischen Lettern finden sich dort Notate wie "Worte sind Schatten", "Finsternis", Amnesie", Mnemosyne", "Oculus Memoriae". Erinnern und Vergessen stehen sich gegenüber. Dass Anne und Patrick Poirier ihre eigene Inszenierung eng mit der Mythologie verankert wissen wollen, betont vor allem das Wort "Mnemosyne", mit dem sie auf die griechische Göttin der Erinnerung verweisen. Die Inszenierung der Poiriers leistet überdies gedanklich einen Brückenschlag zu den Römern am Rhein und Mosel, zur Wurzel der abendländischen Kultur in der klassischen Antike. Sie transferiert somit verschiedenste Ebenen der Historie in eine neue Zeitdimension von Gegenwart.

Anne und Patrick Poirier, Dépôt de mémoire. Stätte des Vergessens und Erinnerns, 1992. Foto und Copyright: Helmut Beier

 


 

HD Schrader, Cube and Tree (2010)

Direkt über der „Stätte des Vergessens“ von Anne und Patrick Poirier ist in der Baumspitze die Plastik von HD Schrader angebracht. Dieser beschäftigt sich seit 1974 ausschließlich mit dem Motiv des Kubus, dabei arbeitet er oft auch nah an der Natur.

Das bevorzugte leuchtende Rot seiner Plastiken ist immer wieder der unerwartete Kontrast zu dem verwendeten Material und der natürlichen Umgebung. Durch die ständige Variation des Kubus wird HD Schraders Nähe zur konkreten Kunst aber auch Minimal Art deutlich. Es gibt kaum einen Künstler, der sich so unmittelbar auf den Naturraum hin ausrichtet. Eine neue Dimension von Skulptur und Interaktion deutet sich u.a. in den "Batnestinghouses" und "Nightingalenestinghouses" an. Eine Vielzahl identischer, kleinerer "Behausungen", die rein potenziell für Fledermäuse beziehungsweise Nachtigallen nutzbar sind, hängen in Bäumen oder von der Decke herab. Das Singen der Nachtigall und das geschwätzige, gleichwohl melodische Schnarren der Fledermaus, das aus kleinen, versteckten Lautsprechern tönt, ziehen den Betrachter in den Bann.

HD Schrader, Cube and Tree, 2010. Ansicht von der Museumsterasse aus mit dem Kaiserdenkmal. Foto: Bogdan Harstall

 

 

 

Ausführliche Informationen über den Skulpturengarten finden Sie in diesem PDF. DOWNLOAD KATALOG