Die Sammler

Das Ludwig Museum in Koblenz zählt nicht nur zu den insgesamt zwölf internationalen Museen, die das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig initiiert haben. Seit seiner Eröffnung im September 1992 profiliert es sich als Museum für zeitgenössische Kunst und pflegt insbesondere einen aktiven Dialog mit der Kunstszene Frankreichs. Es war die Vision der beiden Sammler, dass in Koblenz - der Heimatstadt Peter Ludwigs - mit dessen fast 300-jährigen Historie mit Frankreich, ein Ort geschaffen werden sollte, an dem wichtige Impulse aus beiden Ländern entwickelt und entfaltet werden können.

Peter und Irene Ludwig in ihrem Büro in der Süsterfeldstraße, Aachen 1994, Quelle und Copyright: Ludwig Stiftung Aachen
Peter und Irene Ludwig auf der Biennale in Venedig, 1993. Foto: Heiner Wessel, Berlin

 

Die Sammlung Ludwig

Die gewaltige, über 12.000 Kunstgegenstände zählende Sammlung Ludwig war von Beginn an eine Gemeinschaftsleistung von Irene und Peter Ludwig. Objekte aus Antike und Mittelalter, Kunstgegenstände der chinesischen, indischen, afrikanischen und präkolumbianischen Kunst finden sich hier neben Kunstwerke des Barock- und Rokokozeitalters. Zu Beginn der 1960er Jahre fokussierten die Ludwigs ihre Sammelleidenschaft auf Meisterwerke der zeitgenössischen Kunst, deren Höhepunkt in der amerikanischen Pop Art sowie in der glanzvollen Picasso-Sammlung zu setzen ist.

Seit 1957 begann das Ehepaar Ludwig ihre Sammlertätigkeit im Dienst der Öffentlichkeit zu stellen und lieh ausgesuchte Objekte sukzessive an ausgesuchten Sammlungen und Museen aus. Irene Ludwig und ihr Mann Peter gelten daher bis heute als Deutschlands bedeutendstes Kunstsammler-Ehepaar. Leihgaben und Schenkungen gibt es in über 30 Museen, zwölf davon tragen den Namen Ludwig, unter anderem in Köln, Budapest, Havanna, Sankt Petersburg, Wien und Peking. Als studierte Kunsthistoriker wussten Peter und Irene Ludwig neue Schwerpunkte und Akzente zu setzen: Zu den herausragenden Stücken der Sammlung Ludwig gehören Meisterwerke der sowjetischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Pop-Art der 1960er Jahre, die durch das Ehepaar in Europa erst populär geworden ist.

 

Peter Ludwig

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Peter Ludwig (geboren am 9. Juli 1925 in Koblenz, gest. 1996 in Aachen) war studierter Jurist und Kunsthistoriker. Nach einem Studium der Kunstgeschichte, Archäologie, Geschichte und Philosophie an der Universität Mainz reichte Peter Ludwig 1950 seine Dissertation mit dem Titel „Das Menschenbild Picassos als Ausdruck eines generationsmäßig bedingten Lebensgefühls“ ein und erhielt die Doktorwürde. Die Heirat mit der Studienkollegin Irene Monheim erfolgte 1951. Damit wurde auch die erfolgreiche Tätigkeit Peter Ludwigs im Familienunternehmen Monheim, Produktionsstätte der bekannten Trumpf Schokolade, später auch als „Ludwig Schokolade“ bekannt, eingeleitet. Aufgrund seines großen Geschicks und des enormen ökonomischen Knowhows konnte er über die Jahre zahlreiche Schokoladenfirmen aufkaufen und die Produktion sowie den Verkauf um ein vielfaches steigern. 

Pablo Picasso, "Tête de femme (Dora Maar)", 1941, Gips, 80 cm, Museum Ludwig, Köln" und als Copyright "© Manfred Kühlem / BILD-Zeitung

 

Seine Aktivität als Kunstsammler und Mäzen nahm Peter Ludwig 1957 auf. Bereits ab 1952 gehörte Peter Ludwig dem Club Aachener Casino an. 1957 wurde er schließlich Vorsitzender des Museumsvereins Aachen und nahm die Zusammenarbeit mit Museen in Köln und Aachen auf. Auch er engagierte sich in weiteren Museumsvereinen. Zudem machte er verschiedene Schenkungen und gründete  sowohl Museen als auch Institutionen: Von 1976 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 gründete das Sammlerehepaar Ludwig weltweit über zwölf Museen und Institutionen, die u.a. in Aachen, Bamberg, Basel, Budapest, Koblenz, Köln, Oberhausen, Peking, Saarlouis, Sankt Petersburg und Wien beheimatet sind.

 

Irene Ludwig 

Irene Ludwig (1927-2010) wuchs in Aachen als Tochter des Aachener Unternehmers Franz Monheim und dessen Frau Olga Ella auf. Sie war die Urenkelin von Leonard Monheim, der die Trumpf-Schokolade-Fabrik gegründet hatte.1947 ging sie zum Studium der Vor-und Frühgeschichte sowie Kunstgeschichte nach Mainz. Ebenso wie ihr späterer Mann begann sie bereits zu dieser Zeit, Kunst zu sammeln.

 

Irene Ludwig zum 75. Geburtstag, Aachen 2002, Quelle und Copyright: Ludwig Stiftung Aachen

 

Gemeinsam mit Peter Ludwig baute sie die großartige, vielschichtige Sammlung auf und dokumentierte jeden ihrer Ankäufe akribisch. Irene Ludwig betreute bis zu ihrem Lebensende die Sammlungen, welche durch sie und ihrem Ehemann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden waren, auch wissenschaftlich. Irene Ludwig war lebhaft interessiert an dem Wirken der durch sie initiierten Museen. Sie beriet und half bei zahlreichen Ankäufen.

Irene Ludwig erhielt viele Auszeichnungen, darunter 1978 den Professoren-Titel durch den österreichischen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger, und den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Nach dem Tod Peter Ludwigs im Jahr 1996 errichtete Irene Ludwig die „Peter und Irene Ludwig Stiftung“ mit Sitz in Aachen ein. Die städtischen und staatlichen Museen aber auch Institutionen befinden sich in enger Zusammenarbeit mit der „Peter und Irene Ludwig Stiftung“. Auch die „Fondatión Ludwig de Cuba“ und die Schenkung von mehr als 140 Werken zeitgenössischer Kunst an das „National Museum of China“ (Beijing), zählen zu den Partnern innerhalb der Ludwig Stiftung, die mit der Unterstützung von Irene Ludwig ins Leben gerufen worden sind.

 

Gründung des Ludwig Museum im Deutschherrenhaus in Koblenz

Aufgrund des Kuratoriumbeschlusses der Gründungskommission, der unter anderem Peter Ludwig sowie der damalige Oberbürgerbürgermeister der Stadt Koblenz angehörten, gestaltet die Sammlungs- und Ausstellungspolitik des Museums einen wichtigen Austausch mit dem Nachbarland Frankreich. Darüber hinaus wurden die Aktivitäten durch internationale Ausstellungsprojekte, bedeutsame Ankäufe und maßvolle Schenkungen stetig ausgebaut und erweitert. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in der zeitgenössischen Kunst Frankreichs.

Das Ludwig Museum in Koblenz profitiert von seiner inhaltlichen Anbindung an die Peter und Irene Ludwig-Stiftung sowie deren Sammlungsbeständen in zahlreichen nationalen und internationalen Museen. Insofern verstehen sich auch die Ausstellungen, die das Museum realisiert, in einem vielstimmigen Dialog, der sich zum einen auf die eigene Sammlung bezieht und dabei einige wichtige Einzelpositionen herausarbeitet. Das Museum begreift sich als wichtiger Mittler für französische Institutionen und Forschungseinrichtungen, ist zugleich offen für die zahlreichen Anfragen aus dem In- und Ausland und fördert nach Kräften die Erforschung zeitgenössischer Positionen.

Prof. Dr. h.c. mult. Irene Ludwig im Gespräch mit dem Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Sommerfest 2010. Foto: Helmut Beier
Peter Ludwig beim Gottestdienst in der Basilika St. Kastor anlässlich der Einweihung des Ludwig Museum, Koblenz im Jahr 1992. (c) Ludwig Museum Koblenz

 

 


 

Weitere Museen, die nicht den Namen Ludwig tragen, verfügen ebenso über Leihgaben der Sammlung Ludwig:

 

Couven-Museum, Aachen (Kunst der Barockzeit)

Grafik Museum Stiftung Schreiner, Bad Steben (zeitgenössische Kunst)

Erstes deutsches Fliesenmuseum, Boizenburg (Kacheln und Fliesen)

Kunstmuseum Basel, Basel (zeitgenössische Kunst)

Hetjens-Museum, Düsseldorf (islamische Kunst)

Staatliche Museen, Kassel (antike Kunst)

Mittelrhein-Museum, Koblenz (alte Kunst)

Museum Schnütgen, Köln (mittelalterliche Kunst)

Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln (Präkolumbische Kunst und Kunst anderer außereuropäischer Kulturen)

Museum für Ostasiatische Kunst, Köln (Alt-chinesische Kunst)

Kölnisches Stadtmuseum, Köln, (zeitgenössische Kunst)

Museum für Angewandte Kunst Köln, Köln (moderne Kunst und Design)

Museum der bildenden Künste, Leipzig (zeitgenössische Kunst)

Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg (Kunstgewerbe und zeitgenössische Kunst)