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1936
Martial Raysse wird am 12. Februar in Golf Juan (Alpes Maritimes,
Frankreich) geboren. Mit 12 Jahren malt er erste Aquarelle und schreibt
Gedichte.
1954
Beginn des Studiums der Litersturwissenschaften an der Universität
von Nizza. Fährt mit dem Malen fort, bastelt bizarre Mobilés,
die sich zu seinen filigranen Skulpturen mit eingearbeiteten Fundstücken
der späten 1950er Jahre weiterzuentwickeln scheinen.
1957
erste Einzelausstellung in der Galerie Longchamp in Nizza. Zur Vernissage
erscheint u. a. Jean Cocteau.
1959/60
Stellt Lebensmittelverpackungen, Sonnenölflaschen u. ä.
zu Assemblagen zusammen. Ist Gründungsmitglied der Nouveaux
Réalistes (Yves Klein, Daniel Spoerri, Arman, Niki de Saint
Phalle, Raymond Hains, Jean Tinguely).
1961
stellt mit Arman in der Galerie Schwarz in Mailand aus.
1962
Nimmt zusammen mit Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri, Jean Tinguely
und Robert Rauschenberg an der Ausstellung DyLaby (=Dynamisches
Labyrinth) im Amsterdamer Stedelijk Museum teil. Das dynamische
Labyrinth besteht aus einer Reihe von Environments, die von den
einzelnen Künstlern gestaltet werden. Raysse Beach,
der Beitrag Martial Raysses, präsentiert sich als künstlicher
Pop-Art-Strand mit Strandkörben, Sonnenschirmen, zahlreichen
Gummitieren und Aufstellern mit pin-up-artigen Bildern von Bikinischönheiten.
Abgerundet wird das Ganze durch eine Wurlitzer-Jukebox.
Im weiteren Verlauf der 1960er Jahre erlangt Martial Raysse, durch
die Nähe seiner Arbeiten zur Pop-Art, in Amerika künstlerische
Popularität. Bereits 1961 beteiligt er sich an der Ausstellung
The Art of Assemblage im New Yorker Museum of Modern
Art. Während der gesamten 1960er Jahre beteiligt sich Martial
Raysse regelmäßig an Ausstellungen in New York und anderen
amerikanischen Städten.
ab 1962/63
Raysse stellt Siebdrucke und starke Vergrößerungen von
Illustrierten-Photos mit den Gesichtern und Körpern schöner
Frauen her. Markante Punkte wie Lippen oder Augen der Frauen bemalt
er in stark leuchtenden Farben, später arbeitet er auch mit
Neonlicht, um bestimmte Teile hervorzuheben. Auch Reproduktionen
Alter Meister, wie Ingres´ Odaliske, werden auf diese Weise
verfremdet. Zur gleichen Zeit bezieht Raysse Neonröhren in
seine Skulpturen ein, etwa in die Metall-Plexiglas-Konstruktion
Proposition to Escape: Heart Garden von 1966.
Ab 1966
erste Kurzfilme von Martial Raysse; das Debüt Jésus
Cola (1966) und der vom ZDF produzierte experimentelle Film
Camembert Martial Extra-Doux (1969) seien genannt.
1970
der Spielfilm Le Grand Départ über einen
als Katze verkleideten Mann, der seine Familie verläßt
und ins Paradies geht.
1968
Teilnahme an der documenta IV in Kassel.
Erste Hälfte 1970er Jahre
Martial Raysse geht nach Südfrankreich und beginnt wieder zu
malen. Er experimentiert mit verschiedenen Materialien wie Erde
und Pappmaché, die seinen Bildern eine haptische Qualität
verleihen. Außerdem bastelt er an teilweise sehr anmutigen
Objekten, in die diverse Fundstücke wie Federn mit einbezogen
werden. Es entsteht eine Reihe kleiner Objektkästen mit bemalten
Pilzen aus Pappmaché. In seinen Pastellen und Aquarellen
überwiegen gelbgrüne Farben und intensive Blautöne.
Schnell gemalte nackte Figuren von zeichenhaftem Charakter evozieren
eine bukolisch bis mythologische Stimmung, in die zuweilen Traktorfahrer
hineinbrechen.
1970-73
Martial Raysse tritt der Künstlergemeinschaft PIG bei, deren
Mitglieder bei ihren künstlerischen Aktivitäten auf die
Dynamik der Gruppe setzen und versuchen, künstlerisches und
privates Miteinander zu verbinden.
1974
Ergebnisse der Arbeit in Südfrankreich werden in der Ausstellung
Coco Mato (=Fliegenpilz) präsentiert, die in Paris
in einem gemieteten Lokal stattfindet.
1976
Die Galerie Flinker in Paris zeigt die in Südfrankreich entstandenen
Gemälde und Zeichnungen sowie einige Skulpturen in der Ausstellung
Loco bello.
1979/80
Die Serie La petite maison entsteht. Zu sehen sind in
Pastelltönen gemalte kleine Ausschnitte der Inneneinrichtung
eines Hauses, im typischen Raysse-Stil mit leicht gerundeten Formen
und modellierenden Farben.
Martial Raysse lebt und arbeitet in Issignac in der Dordogne. In
der jüngeren Vergangenheit wurde er wiederholt mit öffentlichen
Aufträgen bedacht, gestaltete etwa zwischen 1987 und 1989 den
Place d´Assas in Nimes, setzte sich mit Bronzegußtechniken
auseinander (Ric de Hop la Houppe, 1991) und entwarf
das Motiv für eine Briefmarke (1992). Seine Bilder zeigen weiterhin
die Auseinandersetzung mit traditionellen Genres wie dem Landschaftsbild
mit mythologischer Staffage.
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