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Wie in Deutschland und den USA gibt es in Frankreich in den späten
70er Jahren eine Hinwendung junger Maler zur Figuration. Nach dem
Vorherrschen von Konzepten abstrakter Kunst wie Support/Surface
in der ersten Hälfte des Jahrzehnts beginnt eine Gruppe von
Malern, die in den 50er Jahren geboren sind, eine figurative, stark
vereinfachte, plakative Bildsprache zu entwickeln, die sich - teilweise
in von den Malern demonstrativ zur Schau getragener scheinbarer
Unkenntnis arrivierter Kunst - an populären Medien wie Comicstrips
orientiert.
Die Trias dieser Maler - François Boisrond, Robert
Combas und eben Hervé di Rosa - entwickelt ihren Stil fernab
der Metropole Paris in der südfranzösischen Hafenstadt
Sète, wo di Rosa und Combas geboren und aufgewachsen sind.
Der etablierte Künstler Ben Vautier wird zum Mentor der Gruppe,
der er 1981 in einem anläßlich einer Ausstellung Hervé
di Rosas und Robert Combas´ erschienenen Artikel in Flash
Art den Namen Figuration libre gibt.
1959
Hervé di Rosa geboren in Sète wächst dort auf
auf und besucht in Sète die École des Beaux Arts.
Er versucht zunächst, als Comiczeichner Fuß zu fassen,
und schickt seine Arbeiten an entsprechende Magazine. Der Chefredakteur
eines solchen Magazins erkennt das malerische Potential, das in
den Zeichnungen di Rosas liegt, und rät ihm zu einem größeren
Maßstab, wie ihn das Leinwandbild ermöglicht.
Di Rosa ist nicht wie Roy Lichtenstein ein Maler, der Motive der
Trivialkultur für die Malerei entdeckt, sondern ein Comiczeichner,
der sich auf die Malerei verlegt. Er arbeitet auch als Maler zunächst
weiter wie ein Comiczeichner, was sich etwa darin äußert,
daß er wiederkehrende Figuren, im Sinne von Comichelden, entwickelt.
Zudem werden die Leinwände nach dem Vorbild von Comicseiten
in Panels aufgeteilt, in denen sich ein cartoonartiges Geschehen
entwickelt.
1981
hat di Rosa seine erste Einzelausstellung in der Galerie Rieke Swart
in Amsterdam. Im selben Jahr nimmt er an der Gruppenausstellung
Finir en beauté teil, die Bernard Lamarche-Vadel
in Paris organisiert.
1982 stellt di Rosa in New York aus, wo zur selben Zeit die Graffitimaler
das Interesse der Kunstszene zu wecken beginnen.
Gegen 1982 finden vermehrt sozialkritische Inhalte Eingang in die
Malerei di Rosas, der in der Öffentlichkeit stets seine einfache
Herkunft betont und sich dadurch gegen das gängige Ausstellungspublikum
abgrenzt. Mit der Hinwendung zu neuen Themen verbunden ist eine
Veränderung im Aufbau der Bilder: von der Comicseite weg zum
Diptychon oder Triptychon.
Ab 1984
stellt Hervé di Rosa wiederholt zusammen mit seinem Bruder,
dem Bildhauer Buddy di Rosa aus.Gemeinsame Projekte, wie die Rauminstallation
in der Tony Shafrazi Gallery in New York 1984, werden realisiert.
1985
gibt Hervé di Rosa sein erstes Comicmagazin, das Di
Rosa Magazine no. 1 heraus, in dem er seinen Figurenkosmos
der vorangehenden Jahre im Sinne einer Bilanz noch einmal zusammenfaßt.
1986
gründen die di Rosa Brüder die Societé di Rosa
und vertreiben ihr eigenes Merchandising.
Bis 1990
werden die narrativen Elemente in den Bildern Hervé di Rosas
immer mehr zurückgenommen. Die Bilder beschränken sich
auf immer weniger Figuren und Zeichen. Die Fülle von Details,
die La vie des pauvres zeigt, verschwindet nach und
nach.
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