home   Museum
  home   Presse  
 
Museum
Museum - Konzeption
Museum - Geschichte
Museum - Presse
Museum - Förderverein
Museum - Links
Sammlung
Ausstellungen
Programm
Pädagogik
Shop
Kontakt
sitemap
 

Leserbrief an die Rhein Zeitung anlässlich des 10jährigen Jubiläums

Ludwig Museum -
Stiefkind der Stadt?

Polemische Gedanken eines Kunstfreundes

KOBLENZ. In der internationalen Kunstwelt macht das Koblenzer Ludwig Museum mit seinen Ausstellungen immer wieder von sich reden. Doch zu Hause genießt es nicht die Wertschätzung, die ihm eigentlich zukommen sollte. So erscheint es jedenfalls einem Düsseldorfer Galeristen und Kunstvermittler, der den Festabend zum 10. Jubiläum besuchte. In Auszügen geben wir die oft polemisch zugespitzt formulierten Gedanken von Wolfgang Gmyrek wieder:

„Was ich an diesem Jubiläumsabend erlebte, war eine auch überregional beachtenswerte und wie immer unverwechselbare Ausstellung und ein schönes, unterhaltsames und fast familiäres Fest für nur rund 120 Museums- und Kunstfreunde, die sich mit ihrem Museum identifizieren, und die das zehnjährige Jubiläum ihres Museums mit der Stifterin Frau Professor Ludwig feiern wollten.

Wenn man von den 120 Teilnehmern die von weither angereisten abzieht, kann man davon ausgehen, dass nur etwa ein halbes Prozent der Koblenzer ihrem Museum die Ehre gegeben haben.

Wo waren die Honoratioren der Stadt, Oberbürger- und Bürgermeister, Stadträte und Landtagsabgeordnete, die Unternehmer und Lehrer, Kulturbeamte (mit Ausnahme des zuständigen Dezernenten) und die vielen Kunstfreunde? Eine Stadt, die sich Frankreich und der französischen Kultur so nahe fühlt, eine rheinische Stadt, kann doch nicht so ignorant oder auch nur so unhöflich gegenüber der Stifterin sein.

In anderen Städten würden Bürgermeister lernen Purzelbäume zu schlagen, wenn solche Stifter ins Haus stünden, die den leeren Stadtsäckel entlasten und ihr Geld in die Kunst und Kultur stecken. Während die Stiftung Ludwig von Köln bis Wien, von Budapest bis Peking ein geschätzter Partner ist, besitzt Koblenz die Impertinenz, sie vor den Kopf zu stoßen. Ohne die guten internationalen Kontakte der Stiftung hätten viel beachtete Ausstellungen wie zum Beispiel Picasso oder Chagall, Russischer Symbolismus oder Dialoge der Kunst, Deutschland-Frankreich im 20. Jahrhundert, nie in Koblenz Station gemacht.

Die modernen Zeiten scheinen an der Garnisonsstadt am Rhein vorbei gegangen zu sein. Man kann es sich ja auch in der Rheinromantik so schön kuschelig und bequem einrichten. Man zehrt von der nahen Loreley und der Wacht am Rhein, vom Moselwein und Ehrenbreitstein.

Dabei müssen die alten Zeiten richtig aufregend gewesen sein, wenn ich Heinrich Heine richtig gelesen habe. Aber das alles ist schon lange her und da braucht es noch viele Festreden im Museum, um selbstzufriedene Honoratioren wachzurütteln.

Selbst der wortgewaltige Festvortrag des Gesandten der französischen Botschaft fand keinen adäquaten politischen Adressaten, da die Repräsentanten der Koblenzer Bourgeoisie durch Abwesenheit glänzten.

Das Jubiläumsfest vermittelte mir und vielen anderen auswärtigen Besuchern den Eindruck, dass diese Stadt ihr Museum nicht mag und nicht fördern will. Anders ist die durch Abwesenheit der 'Hohen Herren' demonstrierte Ignoranz nicht zu verstehen.

Wenn wir uns einig sind, dass Bildung nur auf dem Boden der Kultur gedeiht und die Kunst uns lehrt, neue Wege zu gehen, war das Agieren der Koblenzer Politiker bei der 'Jubelfeier' im Ludwig Museum ein Fauxpas im wahrsten Sinne des Wortes."

Wolfgang Gmyrek
4.10.2002

 

zurück

   
     
 
Presse