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Expressionismus
   
   

Während sich der Begriff „expressiv" auf jede Kunst anwenden lässt, die das intensive subjektive Gefühl in den Vordergrund stellt, bezeichnet Expressionismus eine spezielle Bewegung in der modernen Kunst, die besonders in Deutschland etwa von 1905 bis Anfang der 1930er Jahre ihre Blütezeit erlebte und revolutionierend in der Kunst wirkte. Wie jede Avantgardekunst wurde auch diese 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Der Begriff Expressionismus tauchte zum ersten Mal 1911 in der Zeitschrift „Der Sturm" auf. Er definierte sich als die „gesamteuropäischen fortschrittlichen Tendenzen der Zeit". Vincent Van Gogh (1853-1890) und Edvard Munch (1863-1944) waren wichtige Vorläufer dieser Strömung - van Gogh wegen seiner leuchtenden Farben und seines kraftvollen Pinselstrichs, Munch, der von 1892-1908 vorwiegend in Deutschland lebte, wegen seiner angstbestimmten Weltsicht, die in seiner traumatischen Kindheit begründet lag. Vorbilder waren aber auch Volkskunst, Kinderzeichnungen und Primitive Kunst.

Die Künstler des Expressionismus suchten nach dem großen Ausdruck und innerer Wahrheit. Dabei stellten sie ihre unmittelbaren Empfindungen dar. Kennzeichen sind große Gesten, Pathos und Mitgefühl. Das ließ sich am ehesten in der Malerei und Grafik verwirklichen. In der Architektur und der Bildhauerei verwirklichte sich der Expressionismus nur in Ansätzen. Ein reiner übergreifender Stil bildete sich nicht aus. Literatur, Theater, Film, Tanz und Pantomime übernahmen die neuen Tendenzen, sodass sich Bildende Kunst und andere kulturelle Strömungen gegenseitig beeinflussten. Zwei Künstlergruppen markierten den Höhepunkt des deutschen Expressionismus: „Die Brücke" und „Der Blaue Reiter". In Frankreich wurden die „Fauves" als Wilde beschimpft, Italien verband mit dem „Futurismus" ähnliche Ziele.

Nach dem Krieg profilierte sich der deutsche Expressionismus in der Neuen Sachlichkeit und stellte die Sozialkritik in den Vordergrund. Herausragende Meister dieser Strömung waren die beiden einflussreichen satirischen Maler Otto Dix (1891-1969) und George Grosz (1893-1959). In Österreich und Deutschland gab es darüber hinaus mehrere hervorragende Expressionisten, die keiner Gruppe angehörten, darunter Max Beckmann (1884-1950), Oskar Kokoschka (1886-1980), Egon Schiele (1890-1918) und Paula Modersohn-Becker (1876-1907).

Quelle: wissen.de