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Wladimir Weisberg
Portrait von Lia Costacis"
1960
Privatbesitz
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Hinter dem Schlagwort des Non-Konformismus" verbergen
sich zahlreiche Stilrichtungen, die allesamt den Pluralismus
einer Anti- Kunst" in dem Sinne zusammenfassen, als
dass sie jenseits der offiziellen Staatskunst, dem Sozialistischen
Realismus", zumindest existierten: inoffiziell versteht sich.
Die sogenannte Tauwetter-Periode" unter Chruschtschow,
nach dem Parteitag der KPdSU 1956, hatte ein solches künstlerisches
Handeln überhaupt erst ermöglicht, denn zu Zeiten Lenins war
allein der Gedanke an eine Kunst jenseits der politischen
Vorgaben überhaupt nicht vorstellbar.
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Julo Sooster, Komposition,
1963
Öl auf Leinwand, 49 x 70 cm
Privatbesitz
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So trat ab Mitte der 50er Jahre im Verborgenen eine neue
Künstlergeneration an, die sich damals mit allen denkbaren
Spielarten der modernen Kunst auseinandersetzte. In inoffiziellen
Kreisen, in denen man über diese Kunst Bescheid wusste und
sie auch schätzte, wurde vor allem der Mut bewundert, den
die Künstler aufbrachten, um ihren eigenen Weg zu gehen. Das
allein sagte natürlich noch nichts über ihre künstlerische
Qualität aus.
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Edik
Steinberg, Komposition
1972, Öl auf Leinwand
99 x 79,5 cm
Privatbesitz
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Später, im Westen, als man die Non-Konformisten neu entdeckte,
wurde zunächst die als Kunst von Dissidenten" gewertete
künstlerische Aussage als grundsätzlich positiv beurteilt,
ohne dass man bereit war, sich über die ästhetische Relevanz
und ihren gesellschafts-politischen Kontext intensiver auseinander
zu setzten. Man wird aber bei einer kritischen Sichtung des
überreichen Angebots an künstlerischen Themen und Stilen sich
nicht auch dieser Dimension verweigern können. Aus sowjetischer
Sicht erfolgte eine erste wichtige Bestandsaufnahme und ein
offizielles Heraustreten aus dem Dunst des Verborgenen mit
der von den Non-Konformisten selbst initiierten Ausstellung
Drugoe iskusstvo" (Die andere Kunst), die 1991 in Moskau
stattfand. Hinzu kamen zahlreiche Ausstellungen, die den zeitlichen
sowie künstlerisch-ästhetischen Kontext dieser im Westen weitgehend
unbekannten Kunst allmählich aufgearbeitet und immer wieder
neu vorgestellt haben. Dennoch ist bis heute die Zeit, vor
allem die der sog. Tauwetterperiode" unter Chruschtschow
nicht gänzlich erschlossen, und zahlreiche Werke, der Kunst
wie auch der Literatur, bedürfen noch der Sichtung und Interpretation.
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Jewgeni
Kropivnizkij, Komposition
1965, Öl auf Leinwand
80 x 100 cm
Privatbesitz
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In den Anfangsjahren war es vor allem der sogenannte Lianosovo-Kreis,
in dem sich Krasnopewzew, Oskar Rabin, Wladimir Nemuchin u.a.,
für einen inoffiziellen Kurs, für die Freiheit ihrer eigenen
Denkungs- und Gestaltungsart entschlossen und wo dies immer
wieder diskutiert wurde. Man rechnet ca. 30 Künstler zu dieser
ersten Riege an Non-Konformisten" (im Vergleich zu ca.
10000 Künstlern in der UdSSR), und begründete dies nicht so
vordergründig mit Ästhetik oder künstlerischer Innovation.
Sicherlich war das Handeln, jenseits des Sozialistischen Realismus
Kunst zu konzipieren und frei zu handhaben, die eigentliche
Revolution. Dies erklärt auch, weshalb zahlreiche der technisch
ohnehin häufig brillianten Werke sich vielfach auch auf internationale
Kunstströmungen bezogen oder gelegentlich sogar zurück in
die Vergangenheit blickten, wenn Spielarten des Surrealismus
oder Symbolismus, bis hin zu den frühen Abstrakten des Konstruktivismus
zitiert werden.
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Wladimir
Nemuchin
Spieltisch, 1994
Acryl/Collage auf Papier
150 x 130 cm
Privatbesitz
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Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche Beispiele, in
denen ganz freie Formen entwickelt wurden, die Spielkarten-Tische
von Wladimir Nemuchin, der Fotorealismus von Infante, die
Collage-Elemente bei Oskar Rabin und die konzeptionellen,
hoch subtilen Arbeiten von Ilja Kabakow. Neben den vielfach
verschlüsselten Botschaften der Werke, die auf den unmittelbaren
Kontext ihres Entstehens bezogen sind, und zu weiten Teilen
eine sehr russische Sichtweise zum Sprechen bringen, sind
es immer wieder auch Werke, die offensichtlich in einen vermittelnden
Dialog treten und die Isolation aufzuheben trachten. Arbeiten
von Nemuchin und Steinberg beispielsweise intendieren ohnehin
nur die allgegenwärtige, allgemeinverständliche Sprache des
Geistigen, die jegliche Grenzen schon lange hinter sich gelassen
haben.
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Oskar
Rabin, Dorf Priluki
(Kirche mit Spiegelbild), 1966
Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm
Privatbesitz
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Die Ausstellung in Koblenz präsentiert erstmals eine in Deutschland
beheimatete Privatsammlung, die niemals zuvor in ihrer Bandbreite
und künstlerischen Relevanz gezeigt wurde. Es werden ca. 140
Arbeiten von mehr als 30 Künstlern versammelt sein. Darunter
befinden sich die Künstler des engsten Non-Konformisten-Kreises,
der sich bereits Mitte der 50er Jahre zusammenfand, ebenso
wie die wichtigsten Vertreter der 60er und 70er Jahre, von
denen zum Teil noch jüngste Arbeiten integriert sind. Gerade
diese verdeutlichen, wie der einmal begonnene Weg auch in
Zeiten jenseits von Kaltem Krieg und Perestroika beschritten
wird. Viele der in der Sammlung vertretenen Künstler sind
Freunde Wladimir Nemuchins, einer der zentralen Figur des
Non-Konformismus und enger Freund des Sammlers. Dies allein
schon ermöglicht eine Folge qualitativ sehr dichter Arbeiten
und die Wahrnehmung ihrer inneren Beziehungen.
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Ilya
Kabakow Ich bringe Ihnen zur Kenntnis",
1995
Collage mit Text und Fotos
42,5 x 31 cm
Privatbesitz
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Zu den Künstlern zählen u.a.: Grisha Bruskin, Erik Bulatow,
Francisco Infante, Wladimir Jakowlew, Wladimir Jankilewsky,
Ilya Kabakow, Dima Krasnopewzew, Wladimir Nemuchin, Oskar
Rabin, Igor Schelkowsky, Michail Schwarzmann, Julo Sooster,
Marlen Spindler, Edik Steinberg, Anatoli Swerew, Wladimir
Weisberg u.a.m. Die Sammlung lässt so einen Überblick
über nahezu 50 Jahre künstlerischem Schaffen zu, wobei sowohl
Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Skulpturen, Assemblagen
etc. zugleich auch die Vielfalt der Techniken widerspiegeln.
Sie dokumentiert die künstlerische Kraft und den Mut zu politischen
und humanitären Aussagen in Zeiten der Unterdrückung, sie
lässt den Grad der Konzentration auf eine innere Sprache erahnen
und verdeutlicht die Möglichkeiten künstlerischer Entfaltung
nach Aufhebung der engen politischen Grenzen. Dies heißt nicht,
dass ein Leben in Freiheit immer den Erfolg und die ersehnte
Anerkennung gebracht hat. Viele der Künstler haben sich sowohl
in der Heimat als auch in der errungenen Freiheit immer als
Außenseiter, als Fremde, gefühlt.
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