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Wieder einmal zeigt das Ludwig Museum in Koblenz eine
wichtige Ausstellung zur russischen Kunst des 20. Jahrhunderts:
Treffpunkt Paris! Russlands Künstler zwischen
Cezannismus und Lyrischer Abstraktion stellt
die russische Kunst im Zentrum der Metropole Paris vor
in der Weltstadt der Kunst, dem Ort der Avantgarde.
Im Zentrum der Schau stehen Werke, die russische Künstler
in Paris schufen. Es sind dabei vier wichtige Schaffenszeiträume
zusammengefasst: die erste Gruppe umschließt jene
um Serge Diaghilews Mir Iskustwa" und seine
Ballets Russes" (mit Werken von Benois, Bakst,
Exter, Larionow, Gontscharowa, Popova, u.a.) sowie die
davon unabhängig wirkenden Künstler wie Archipenko,
Tatlin, Shterenberg, Falk etc. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges
und die Russische Revolution trugen zur Verschärfung
der Situation der Künstler und Emigranten bei.
Die meisten von ihnen kehrten in ihre Heimat zurück,
einige, wie etwa Chagall, fanden erst nach der Rückkehr
zu ihrem stärksten künstlerischen Ausdruck.
Die zweite Zäsur bringen jene Künstler ein,
die nach der Russischen Revolution als Exilanten nach
Paris kamen und nicht mehr so stark im Rampenlicht standen,
wie die erste Welle der Avantgarde-Künstler, hier
sind vor allem Annenkow, Andreenko, Bouchène,
Grigoriew, Jakowlew, Vassiliewa, Kontschalowsky, Korowin
u.a. zu nennen. Aber auch herausragende künstlerische
Positionen wie jene von Marc Chagall, Wladimir Baranow-Rossiné,
Jacques Lipschitz, Chaim Soutine etc. untermauern die
wesentlichen Impulse, die aus dem eigenständigen,
künstlerisch geformten Selbstverständnis heraus
erwuchsen. Dass dabei der Einfluss französischer
Kunst, sei es Cezannismus, Kubismus oder Fauvismus, später dann auch wesentlich
der Surrealismus nicht nur unterschwellig,
sondern auch ganz öffentlich zu Tage tritt,
ist spannend zu beobachten und für die Entwicklung
der Kunst im 20. Jahrhundert von großer Bedeutung
Ein wichtiges künstlerisches Zentrum waren die russische
Künstlerkolonie La Ruche" (Bienenkorb), wo auf
engstem Raum zahlreiche Künstler arbeiteten, und die
eigens gegründeten russischen Akademien. Sie alle
schufen ein neues Klima der künstlerischen Produktion,
das von Austausch und Miteinander geprägt war. Sie waren
u.a. auch geschützte Orte, wo die sich als Exilanten
definierenden Künstler einen eigenen Entfaltungsraum
fanden.
Die dritte Zeitspanne der 30er Jahre bis zum Ausbruch
des 2. Weltkriegs vervollständigt die Entwicklung
jener, die schon länger in Paris verweilten, oder
erneut kurzzeitig in der Metropole arbeiten, wie etwa
Pevsner, Falk, Baranow-Rossiné, David Shterenberg,
Leopold Survage, u.a. Die vierte Phase fasst jene Künstler
zusammen, die nach dem zweiten Weltkrieg die abstrakte
Malerei in Paris mit entwickelt haben: Allen voran Serge
Charchoune, Philippe Hosiansson, André Lanskoy,
Nicolas de Stael und Léon Zack. Die Auseinandersetzung
nicht nur mit dem französischen Informel, sondern
auch die Kenntnis von Entwicklungen in der zeitgenössischen
amerikanischen Malerei öffnen neue Horizonte und
Wahrnehmungsmöglichkeiten, die in den Werken eines
jeden von ihnen intergriert werden.
Das Spektrum der Ausstellung reicht von 1905 bis 1965
es sind 45 künstlerische Positionen zu sehen,
ein ganzer Kosmos russischer Kunst der klassischen Moderne.
Schwerpunkt bildet vor allem die Malerei, aber auch
Skulpturen, Theaterentwürfe, Grafiken, Plakate, Illustrationen,
Buchdrucke und Porzellanarbeiten zeigt die Ausstellung.
Mehr als 180 Exponate stammen aus der Staatlichen Tretjakow-Galerie
in Moskau, dem National Museum in Kiew, dem Centre Georges
Pompidou in Paris, dem Calvet Musée, Avignon, Musée
d´Art Moderne, St. Etienne, der Kunsthalle Hamburg,
Sprengel Museum, Hannover, Folkwang Museum, Essen, dem
Hessischen Landesmuseum, Darmstadt, und internationalen
Privatsammlungen. Die sorgfältig recherchierten
Arbeiten aus der Staatlichen Trejakow-Galerie in Moskau
wurden eigens für diese Ausstellung im Ludwig Museum
erstmals zur Ausleihe jenseits von Russland freigegeben,
einige von ihnen wurden noch nie vorgestellt. Es handelt
sich um echte Entdeckungen!
Die Ausstellung wird von Dr. Alexandra Shatskich aus
Moskau kuratiert, es erscheint ein umfangreicher Katalog
mit Beiträgen renommierter Wissenschaftler aus Russland,
Ukraine, Frankreich, mit zahlreichen, bislang unpublizierten
Werken aus der Staatlichen Tretjakow Galerie, Moskau,
dem Nationalmuseum Kiev, sowie aus internationalem Privatbesitz.
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