Miao Xiaochun (geb. 1964 in Wuxi, Jiangsu, China) gilt als einer der profiliertesten Fotografen und Medienkünstler innerhalb der zeitgenössischen Kunst Chinas, aber auch innerhalb der aktuellsten internationalen Strömungen. Er studierte in den achtziger und neunziger Jahren zuerst in China an der Nanjing Universität und der Central Academy of Fine Arts, Beijing, dann in Deutschland an der Kunsthochschule in Kassel. Seit 2000 lehrt er auch an der Central Academy of Fine Arts, Beijing.
Immer wieder kreisen Miao Xiaochuns Themen um den modernen Menschen, der zwischen Tradition und Zukunftsvisionen hin und her gerissen wird: Auf der einen Seite gibt es das Vertraute, zugleich aber auch schon „Überlebte“, und auf der anderen Seite das Kommende, das Neue, das ebenso verlockend wie auch Furcht einflößend erscheint. Dabei greift er immer wieder auf allegorische und christliche Motive der europäischen Renaissance und des Barock zurück und erschafft am Computer seine modernen Welt-Darstellungen.
Die Ausstellung präsentiert als ein zentrales Ensemble sein Projekt “Microcosm” (s. Abb. unten) aus den Jahren 2008/2009, in dem Miao Xiaochun die Visionen des an der Schwelle zur Neuzeit stehenden Hieronymus Bosch (um 1450-1516) modifiziert. Dessen berühmtes Bild „Garten der Lüste“ (Prado, Madrid) erzählt eine umfassende Geschichte der Menschheit. Diese setzt er sowohl in Fotografien als auch im Film, in Zeichnungen, in Handstickereien um. Anhand von hoch komplexen Computeranimationen erschafft Miao Xiaochun eine neue, ebenso düstere wie humorvolle Neufassung von Boschs Meisterwerk.
Die Ausstellung präsentiert außerdem unter anderem eine Auswahl von Werken, in denen Miao Xiaochun auf berühmte Arbeiten anderer Künstler der Renaissance - und nun auch des Barock -zurückgreift. Dazu gehören Giotto, Pieter Bruegel d.Ä., Lucas Cranach d.Ä., Michelangelo: Gemeint sind die C-Print-Zyklen “H2O” (2007, eine lautlose 3D-Reise durch den kosmischen Nachtraum, das Lucas Cranach’s Bild “Der Jungbrunnen” zum Ausgangspunkt nimmt) und “The Last Judgement In Cyberspace” (2005-2006, eine Übersetzung von Michelangelo’s Jüngstem Gericht in einen 3D-Raum).
Es entsteht ein dreisprachiger Katalog (dt./engl./chines.) mit zahlreichen farbigen Abbildungen und einem Beitrag von Ursula Panhans-Bühler, einem Interview von Huang Du mit Miao Xiaochun sowie einem Vorwort von Direktorin Dr. Beate Reifenscheid.
Die Ausstellung wird gefördert von der Ludwig Stiftung, Aachen, und der Sparkasse Koblenz.
Destruction, Ausschnitt aus Microcosm,
2008, C-print
courtesy ALEXANDER OCHS GALLERIES
BERLIN | BEIJING
Surplus, 2007, Fotografie, 268 x 750 cm
H2O-Genesis-F-, 2007, C-print,
243 x 480 cm
H2O-Fountain-of-youth-F, 2007,
C-print, 228 x 360 cm
Fatalism, 2008, C-print, 150 x 257 cm
Celebration, 2004,
Fotografie, 372 x 480 cm.jpg
The-Last-Judgement-in-Cyberspace-the-Below-View,
2006, C-print, 385 x 480 cm
Restart, 2008-2010, 3D-Animation, ca. 14 Minuten.
Film zur Ausstellung
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ERÖFFNUNG:
Sonntag, 15. August 2010, 11.00 Uhr
Der Künstler ist anwesend.
Anschließend: Um 15.00 Uhr Rundgang durch die Ausstellung mit Professor Ursula Panhans-Bühler (ehem. Professorin Mia Xiaochuns an der Universität Kassel) im Gespräch mit Rolf Ohly, Museumspädagoge, Ludwig Museum